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ZWEI KLANGWELTEN  

 

Korpus

 

 

Das äußere Erscheinungsbild der beiden Modelle ist unterschiedlich:
Während die Französische Oboe ein dünnes, langes und schlicht gestaltetes Rohr mit leicht ausladendem Schallstück hat, besitzt die Wiener Oboe heute noch die Merkmale der klassischen Oboe: das dickwandige, kürzere Rohr; die Zwiebel (Baluster) am Oberstück; die Verdickungen an den Zapfenverbindungen sowie das glockenförmige Schallstück.

1 Zwiebel (Baluster)
2 Oberstück
3 Unterstück
4 Zapfen
5 Schallstück

 

Bohrung

 

 

Die Französische Oboe ist eng gebohrt – an der engsten Stelle 4,1 mm. Die Bohrung der Wiener Oboe ist weiter (4,4–4,9 mm) und verläuft stufenförmig (2 Stufen). Zudem hat das Wiener Modell einen Wulst innen am Schallbecher.

 

Griffweise

 

 

Wiener OboistInnen verwenden von b2 bis c3 eine spezielle Griffweise, die sogenannten „langen Griffe“, d.h. die Töne werden mit einer langen Luftsäule realisiert (viele Tonlöcher geschlossen). Bei der Französischen Oboe werden dieselben Töne mit Hilfe einer Oktavklappe und „kurzen Griffen“, d.h. kurzer Luftsäule, erzeugt.

Die vollautomatische Wiener Oboe ermöglicht als Alternative zu den traditionellen langen Griffen auch kurze Griffe (die Töne klingen dann etwas dünner).

 

Klang

 

 

Der Klang der Französischen Oboe hat große Durchsetzungskraft und sticht aufgrund seiner Klangfarbe eher aus dem Orchester heraus; während sich der Klang der Wiener Oboe eher in den Gesamtklang des Orchesters einfügt. Das Vibrato, das zum „guten“ Ton der Französischen Oboe gehört, ist im Wiener Musizierstil nicht gebräuchlich.

Die Französische Oboe spricht in der Tiefe schwerer an als die Wiener Oboe. Der Klang von b2–c3 wird beim Französischen Modell von vielen OboistInnen als nicht ganz zufriedenstellend bezeichnet.