Folge 6 – Aufnahmen mit Gehörschutz

Earplug

Wenn es um das Sampling von Instrumenten geht, stellen besonders die extremen Tonlagen das Aufnahmeteam vor eine große Herausforderung. Die Piccolo-Flöte deckt beispielsweise durch ihre Bauform bereits das höchste Register aller Orchesterinstrumente ab und es ist in den hohen Lagen des Instruments auch nahezu unmöglich, pianissimo zu spielen. Kann man im Regieraum die Abhörlautstärke über die Monitorlautsprecher noch relativ leicht absenken, so ist die Situation im Aufnahmeraum selbst kritischer. Unser Aufnahmeteam war zunächst erstaunt, als die Flötistin Maura Bayer zum ersten Aufnahmetermin der Piccolo-Flöte mit Ohrstöpsel erschien, stellte jedoch rasch fest, dass dieser Gehörschutz durchaus sinnvoll war. Nachdem Maura bereits die große Flöte einspielte, wusste sie, was von ihr im Rahmen einer Aufnahme-Session gefordert wird: Nicht nur Einzeltöne, sondern auch Triller oder Läufe müssen selbst in hohen Lagen und im Fortissimo oft mehrmals widerholt werden.

Lärminduzierte Schwerhörigkeit wird durch Schalldruckpegel von 85 db (A) und höher ausgelöst, wenn diese über einen bestimmten Zeitraum auf das Gehör einwirken. So verwundert es nicht, dass auch Orchestermusiker nach vielen Jahren der Praxis oftmals davon betroffen sind. Dabei wirkt sich die Zerstörung der feinen Haarzellen im Innenohr zunächst auf die Wahrnehmung der höheren Frequenzen um ca. 4 kHz aus, betrifft dann im fortgeschrittenen Stadium jedoch auch tiefere Frequenzen im Bereich von 500 Hz bis 2 kHz, die maßgeblich für die Sprachverständlichkeit sind. Dies bekam auch Beethoven am eigenen Leib zu spüren, dessen Schwerhörigkeit zunehmend auch eine gesellschaftlichen Isolation zur Folge hatte.

Der Schalldruckpegel sowie die Einwirkungsdauer auf das Gehör sind somit ganz entscheidenden Faktoren. Nur ein einziger lauter Ton einer Trompete, der aus 50 cm Entfernung auf das Ohr eintrifft, entspricht beispielsweise einer üblichen Schallbelastung von vier Stunden. Eine Schallbelastung von 85 dB, wie sie auch in Symphonieorchestern durchaus üblich ist, führt bei einer Einwirkungsdauer über 5 Tage (bei 8 Stunden pro Tag) zu einer Schädigung des Gehörs. Ca. 10 % der Orchestermusiker leiden unter einem mehr oder weniger starken Hörverlust, von dem insbesondere langjährige Mitglieder betroffen sind. Abgesehen davon scheint die Gruppe der Holzbläser besonders betroffen zu sein, da sie ja traditionell unmittelbar vor den Blechbläsern und dem Schlagwerk platziert ist.