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Große Trommel
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Große Trommel - Geschichte

Die Türkentrommel

Die moderne Große Trommel, wie sie heute in jeder Militärkapelle, im Orchester sowie in Jazz-, Rock- und Pop Bands gespielt wird, ist ein Import aus dem Mittleren Osten (sie entwickelte sich also nicht – wie man annehmen möchte – aus den seit dem Mittelalter in ganz Europa verbreiteten Trommelarten). Sie ist ein direkter Nachkomme der Davul, auch tabl turki („türkische Trommel“) genannt, die im mediterranen Raum seit dem 14. Jahrhundert belegt ist: eine große zylindrische Trommel mit schmaler Zarge und zwei Fellen, die mit Leinen gespannt und ohne Schnarrsaiten gespielt wurde.

In Europa zeigt ein Gemälde des Venezianers Vittore Carpaccio aus dem Jahre 1502 erstmals einen türkischen Trommler mit einem Instrument, das annähernd die Maße der heutigen Großen Militärtrommel hatte (schmale Zarge bei ca. 70 cm Felldurchmesser). Der Spieler schlägt die Trommel, die vor seiner Brust hängt, mit zwei dicken Holzstöcken an. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts waren solche Türkentrommeln in Europa jedoch nur vereinzelt anzutreffen.

Janitscharenmusik

Mit den Janitscharentruppen und ihren Militärkapellen kam die Türkentrommel im 18. Jahrhundert in großer Zahl nach Europa, wo sie sogleich begeistert in die hiesige Militärmusik integriert wurde. Der für abendländische Ohren zunächst exotische Klang der Janitscharenmusik ergab sich hauptsächlich durch den Zusammenklang von Türkentrommel, Becken und Triangel.

Nebst der auffälligen Größe der Trommel war auch die Spielweise neuartig: Das Instrument wurde entweder senkrecht auf einen Untersatz gestellt oder – beim Marschieren – vom Spieler vor der Brust getragen. Das Fell wurde mit der rechten Hand von der Seite her mit einem großen, ungepolsterten Holzschlägel (Holzkrücke) angeschlagen. Die linke Hand lag auf der Zargenkante der linken Trommelseite. Von dort schlug der Spieler eine einzelne Rute flach auf das linke Fell, was ein schnalzendes Geräusch ergab. Der Schlag des Holzschlägels wurde auf dem betonten Taktteil ausgeführt, der Rutenschlag auf unbetontem Taktteil. Wurde eine Trommel mit nur einem Fell verwendet, was seltener vorkam, so schlug der Spieler dieses jeweils abwechselnd mit der Schlägel- und Rutenhand an.

Türkisches Kolorit

In der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts waren Janitscharenkapellen an den europäischen Fürstenhöfen bereits sehr beliebt. In Folge wurde die große Janitscharentrommel langsam auch in der Orchestermusik, besonders in der Oper, eingeführt, meist, um orientalische Stimmungen zu schaffen: Gluck verwendete sie als klangliches Stilmittel in seinem „Le cadi dupé“ (1761), Mozart in seiner „Entführung aus dem Serail“ (1782). Haydn verwendete sie, ihrer Herkunft entsprechend, in seiner „Militärsymhonie“ (1793/94). In diesen frühen Orchesterwerken wurde die Janitscharentrommel oder Große Trommel, wie sie aufgrund ihrer enormen Ausmaße genannt wurde, noch nach türkischer Art, also mit Holzschlägel und Rute angeschlagen, in den entsprechenden Partituren sind doppelte Notenhälse notiert.

Neben den orientalischen Modellen mit schmaler Zarge waren bis ins 19. Jahrhundert hinein in Militärkapellen und im Orchester auch Große Trommeln in Gebrauch, deren Zarge breiter war als der Felldurchmesser, der etwa einen halben Meter betrug. Diese langen, röhrenförmigen Trommeln erhielten daher im Englischen den Namen long drum.

Die Große Trommel als Orchesterinstrument

Anfang des 19. Jahrhunderts ließ Spontini in seiner Oper „Die Vestalin“ (1807) die Große Trommel erstmals mit einem filzgepolsterten Schlägel anschlagen. Damit hatte er den Trommelklang der orientalischen Färbung beraubt.

In der zeitgenössischen Spielpraxis wurden gemeinsam mit der düster und drohend klingenden Trommel, die nur einfache Schlagfolgen auszuführen hatte, auch die Becken geschlagen, es sei denn, es wurde „cassa sola“ vorgeschrieben. Die Beckenschläge waren integraler Bestandteil der Spielpraxis und wurden nicht  notiert, dies gilt v.a. für die italienischen Opern der Zeit, z.B. Verdis „Rigoletto“ (1851) oder „La Traviata“ (1853). In vielen Fällen wurden die Becken auch direkt auf die Große Trommel montiert und vom Trommler gespielt.

Nach und nach etablierten sich für die Große Trommel auch komplexere Anschlagtechniken. Berlioz verlangte in seiner „Symphonie fantastique“ (1830) erstmals einen Wirbel, den er ausdrücklich von zwei Paukisten mit Paukenschlägeln ausführen ließ. Ein von einem Spieler ausgeführter Wirbel wurde zuerst von Liszt in „Ce qu’on entend sur la montagne“ (1849) vorgeschrieben. Wirbel wurden in der Folge auch mit einem Schlägel ausgeführt, indem der Spieler abwechselnd mit Kopf und Stielende anschlug oder einen Schlägel mit zwei Köpfen verwendete.

Im spätromantischen Orchester (letztes Drittel des 19. Jahrhunderts) wurde die Große Trommel zum fixen Bestandteil des Orchesterschlagwerks. Sie wurde seitlich angeschlagen, allerdings nicht direkt wie in der Janitscharenpraxis, sondern in einem großen Bogen von oben nach unten. Zusätzlich etablierte sich eine weitere Spielhaltung: Die Trommel wurde – mit dem Resonanzfell nach unten – auf einer hölzernen Unterlage (einem Holzbock) platziert, damit das fast waagrecht liegende Fell angeschlagen werden konnte.

Modisch orientierte Komponisten setzten die Große Trommel mit dem auf ihr montierten Becken so maßlos ein, dass sich Berlioz in seiner Instrumentationslehre (1843) beklagte, es werde damit „der größte Missbrauch betrieben“: Die Große Trommel werde von „effektsüchtigen Kunstjüngern“ eingesetzt, um „durch Orchesterpomp und Krafteffekte“ zu imponieren, die musikalische Wirkung gehe dabei jedoch unter.

Moderne Formen der Großen Trommel

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Schnurspannung des Fells sukzessive durch die Schraubenspannung ersetzt. Die Zarge wurde nun nicht mehr ausschließlich aus Holz, sondern auch aus Messing oder Aluminium gefertigt. Als Felle dienten Kalbs- oder Pferdehaut, in seltenen Fällen Eselshaut (die schwer erhältlich ist). Die Große Trommel wird heute im Orchester meist in einem Gestell aufgehängt, in dem die Trommel frei schwingen und in jede beliebige Position geneigt werden kann. Seltener wird sie auf einen entsprechenden Trommelstand gelegt. Orchestertrommeln haben heute einen Durchmesser von 70–100 cm und eine Zargenhöhe von 35–65 cm.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde v.a. in England eine Form der Großen Trommel mit nur einem Fell populär. Diese Trommel mit schmaler Zarge, die auf einer Seite offen war, wurde unter dem Namen Gong drum bekannt. Angeblich waren ihre Resonanzeigenschaften hervorragend, allerdings tendierte sie dazu, eine bestimmte Tonhöhe zu produzieren – eine Eigenschaft, die bei Trommeln nicht erwünscht war. Gong drums werden heute nur mehr selten verwendet.

Seit den Anfängen der Janitscharenmusik bis zum heutigen Tag spielt die Große Trommel eine bedeutende Rolle in Militärkapellen und Blasorchestern. V.a. in der Marschmusik erfüllt sie die Funktion, die betonten Taktteile zu markieren. Die in der Militärmusik verwendeten Großen Trommeln sind mit ca. 25–45 cm Höhe und 35–75 cm Durchmesser kleiner als die Orchestertrommeln.


Riesenpauke

Riesenpauke

Drum Set

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Große Trommel zum wichtigen Bestandteil des Jazz-Schlagzeugs. Es bildete sich eine neue Spielweise heraus: das Anschlagen mittels Fußpedal, der sogenannten Fußmaschine (1909 von William F. Ludwig in Chicago erfunden). Dies erlaubte es dem Spieler, zusätzlich zur Großen Trommel auch andere Instrumente, wie Kleine Trommel und Becken, gleichzeitig zu bedienen. Die Praxis, einem Spieler das gesamte Schlagzeug (drum set) zu überlassen, setzte sich über Big Band-Tanzmusik und Be-Bop-Combos bis hin zur Rock- und Popmusik fort. Die Große Trommel wurde indessen immer kleiner, um den in der Unterhaltungsmusik favorisierten trockenen und kurzen Klang zu erreichen. Heute werden in der Unterhaltungsmusik Modelle mit 30–40 cm Höhe und 45–70 cm Durchmesser und Plastikfellen verwendet.