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Cimbasso
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Cimbasso - Geschichte

19. Jahrhundert – Cimbasso als Bezeichnung der tiefsten Bläserstimme

Der Ausdruck cimbasso entstand zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Italien – wahrscheinlich als Abkürzung für die Bezeichnung corno in basso (Basshorn). Obwohl cimbasso während des ganzen Jahrhunderts als Ausdruck im täglichen Gebrauch zwischen Musikern, Komponisten, Dirigenten, Verlegern und Instrumentenbauern zu finden ist, ist seine Bedeutung nur insofern eindeutig, als cimbasso einfach die Stimme unter den Posaunenstimmen, also die tiefste Bläserstimme, bezeichnete. Diese Bezeichnung als Stimme war während des ganzen Jahrhunderts in Italien konstant und findet sich in Opernpartituren von Bellini über Verdi bis Puccini. Allein die Instrumente, die diese Stimme ausführten, wechselten im Laufe der Zeit und von Region zu Region.

Serpent-Fagott

Serpent-Fagott

Zu Beginn des Jahrhunderts war dem serpentone, oft auch corno di basso (Basshorn) genannt, die Bassstimme der Bläsergruppe zugedacht. Eine aus England importierte Weiterentwicklung dieses Instruments war eine Art des serpentone in Fagottform mit neun Grifflöchern und aus Messing gefertigt. Sein Tonumfang entsprach dem alten serpentone. In dieser Zeit war der Begriff cimbasso Synonym für beide Arten des serpentone. Vermutlich ist das aus England stammende Instrument über das Militärmusikwesen und die Bühnenmusik in das Orchester vorgedrungen. Zwischen 1815 und 1820 ist es in der Mailänder Scala nachweisbar. Ähnliche Instrumente derselben Art sind in Italien später auch „Russisches Fagott“ oder „Österreichisches Kontrafagott“ genannt worden: Ihr Korpus war aus Holz, das Schallstück aus Messing, das Mundstück aus Horn. Die sechs Grifflöcher und zwei Klappen ermöglichten einen Tonumfang von C bis g1. Diese Instrumente sollen einen reinen und kräftigen Ton gehabt haben.

Ab den 30er Jahren breitete sich in Italien die aus Frankreich stammende Ophikleide aus, zuerst mit Klappen versehen, dann mit Ventilen. Der Unterschied zum Serpent in Fagottform – das als cimbasso in Gebrauch blieb – war der, dass die Ophikleide aus Metall war, nur Klappen aufwies und einen tieferen Tonumfang hatte (bis H1). Trotzdem wurde der alte Name cimbasso auch auf die Ophikleide angewandt. Die frühen Verdi-Opern in den 40er Jahren wurden demnach mit einer als cimbasso bezeichneten Ventilophikleide ausgeführt („Oberto“ 1839, „Nabucco“ 1842, „Ernani“ 1844).

In den folgenden Jahren breitete sich in Italien der Bombardon aus, ein Bassinstrument, dessen Mensur im Lauf der Zeit immer weiter wurde. Gleichzeitig glichen sich die Ophikleide und der Bombardon in ihrer Bauweise einander an, so dass sie kaum unterscheidbar waren. Der Ausdruck Cimbasso ging so auch auf den Bombardon über.

Ophikleide

Ophikleide

Bombardon

Bombardon (= Basshorn) in Es (hohe Stimmung), Wien, Österreich, August Heinr. Rott, zwischen 1842/46. (Musikinstrumentenmuseum Schloss Kremsegg, Austria, Sammlung Streitwieser)

Holzbombardon

Holzbombardon, anonym, ca. Mitte 19. Jhdt. Leihgabe: Heimatmuseum Bad Hall. (Musikinstrumentenmuseum Schloss Kremsegg, Austria, Sammlung Streitwieser)

1881: Geburt des modernen Cimbasso

Die Tendenz, den Umfang und das Volumen der Bassinstrumente durch immer weitere Mensuren und einen größeren Konus zu erhöhen, führte seit Mitte des 19. Jahrhunderts zum Bau von tubaähnlichen Instrumenten mit gänzlich anderer Klangfarbe. Komponisten wie Verdi verlangten aber aus klanglichen Gründen nach enger mensurierten Instrumenten (z.B. für seine Oper „Aida“ 1871), da diese sich besser als Bassstimme in einen harmonischen Posaunensatz eingefügt hatten. Dies führte im Jahre 1881 zur Geburt des modernen Cimbasso. Giuseppe Verdi inspirierte den Mailänder Instrumentenbauer Pelitti zur Konstruktion einer Ventil-Kontrabassposaune mit nach vorn gebogenem Schallstück. Für dieses konkrete Instrument hat Giuseppe Verdi (1813–1901) nach 1881 eigentlich nur zwei Partien geschrieben: „Otello“ (1887) und „Falstaff“ (1893). Trotzdem hat sich die Tradition etabliert, die tiefste Bläserstimme, die 4. Posaune auch der früheren Opern von Verdi mit dem „neuen Cimbasso“ auszuführen. Diese Tradition erstreckt sich heute auch auf andere italienische Opern wie die von Gaetano Donizetti (1797–1848) und Vincenzo Bellini (1801–1835).