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Kontrabass - Geschichte

Viola da gamba-Bass versus Violinbass

Die Geschichte des Kontrabasses begann vor etwa 500 Jahren, am selben Ort wie die der übrigen Streichinstrumente, nämlich in Oberitalien. Sie ist geprägt von einer verwirrenden Vielfalt an Bauweisen, Größen und Stimmungen, wobei um zwei Dinge gerungen wurde: die Festlegung der Stimmung und der Saitenanzahl. Die ersten Abbildungen von Streichinstrumenten, die in Größe und Aussehen einem Kontrabass entsprechen, stammt aus dem frühen 16 Jahrhundert und zeigen immer ein einzelnes Großbassinstrument beim gemeinsamen Musizieren mit Streichinstrumenten der Viola da braccio-Familie. Oft sind eine Posaune oder andere Blasinstrumente dabei.

Silvestro Ganassi entwickelte 1542 in Venedig eine Bass-Viola da gamba, die oft als das „Urinstrument“ des Kontrabasses gesehen wurde. Seine Kennzeichen – abfallende Schultern, Bünde und 6 Saiten in Quarten gestimmt (D, g, c, e, a, d1) – geben Auskunft darüber, dass die Entwicklung der tiefen Streichinstrumente ihren Ausgangspunkt in der Familie der Gambeninstrumente hatte. War Ganassis Instrument noch nicht in der Kontra-Lage (16-Fuß-Lage) gestimmt, so finden wir 1585 eine in Padua von Ventura Linarol gebaute Bass-Viola da gamba, deren 4 tiefste Saiten bereits der heutigen Stimmung entsprachen: E1, A1, D, G, c, f. Diese Stimmung war eher ein Zufall und stellte eine Ausnahme dar, denn in der Folge gab es noch lange keine einheitliche Stimmung.

Violone

Vom italienischen Ausdruck Violone (=Großviola), der heute nicht mehr üblich ist, wurde schon das Wort Violoncello abgeleitet. Im Lauf er Geschichte wurden viele Bass- und Kontrabassinstrumente der beiden Streicherfamilien als Violone bezeichnet. Im 16. Jahrhundert bezog sich Violone nur auf die Bassinstrumente der Gamben-Familie. Der Violone hatte die Aufgabe des Fundamentalbasses sowie der akkordischen Begleitung einer Sologesangsstimme.

Auf der Suche nach seiner Rolle

Im 16. und 17. Jahrhundert hatte der Kontrabass seine Rolle im Orchester noch nicht gefunden. Seit Ende des 17. Jahrhunderts ist er bei den 24 „Violons du roi“, vertreten.

Bei dieser im 16. Jahrhundert gegründeten Gruppe handelt es sich wahrscheinlich um das erste Orchester im modernen Sinn, da die 24 „Violons“ mit den 12 „Hautboisten“ zusammen spielten (Es waren also verschiedene Instrumente vertreten, wobei mehrere gleiche Instrumente eine Stimme ausführten).

Erst um 1700 wurde der Kontrabass ins Opernorchester aufgenommen, und zwar durch Giuseppe Aldovrandini (1673–1707) in Neapel und Marin Marais (1656–1728).
In Partituren des 17. und 18. Jahrhunderts sind oft gleichzeitig Violone, Violoncello und Kontrabass vorgeschrieben, wobei dem Violoncello eher solistische und dem Violone eher Ripieno-Aufgaben zugedacht waren.

Zwei Erfindungen ebnen den Weg

Versuche im 17. und 18. Jahrhundert, den Kontrabass dem Violoncello anzupassen, waren wenig erfolgreich; die Mischform, die sich etablierte, erwies sich als die geeignetste. Wahrscheinlich gab es zwei Arten von Kontrabässen: Instrumente mit vergrößertem Korpus für die Kontra-Lage und Tenorinstrumente, welche die Mittelstimmen verstärkten.

Der Kontrabass war das Streichinstrument mit den meisten Stimmmöglichkeiten. Dies hing unter anderem mit dem Akkordspiel zusammen, für das es frühe Belege gibt. Um das Greifen der Akkorde zu erleichtern, wurden die Saiten so umgestimmt (Scordatura), dass sie mit dem gewünschten Tonikadreiklang übereinstimmten.

Erst eine grundlegende Erfindung konnte die Kontra-Lage für den Musikgebrauch richtig „erschließen“: Im 17. Jahrhundert begann man die tiefen Darmsaiten mit Kupferdraht zu umwickeln. Die dicken und schweren Darmsaiten hatten den Spieler in seiner Beweglichkeit gehemmt. Durch die neuen umsponnenen Saiten erhöhte sich die Spannung derart, dass daraus ein neues Problem entstand: das Problem der Stimmung. Im Jahre 1778 konstruierte der Berliner Geigenbauer Carl Ludwig Bachmann einen Schraubmechanismus am Wirbelkasten: Flügelschrauben an der Außenseite des Wirbelkastens greifen in Zahnrädchen aus Metall, die sich so präzise drehen lassen, dass die Saiten absolut rein gestimmt werden konnten. Dieser Mechanismus löste die alten Holzwirbel ab.

Scordatur

Die Veränderung der normalen Stimmung auf Saiteninstrumenten (Violinen, Gitarren, …). Vom Italienischen scordatura von discordare = verstimmen.

Scordaturen wurden seit jeher von Komponisten vorgeschrieben, um folgende Effekte zu erzielen: Die Erleichterung der Griffweise für bestimmte Tonarten, eine Veränderung der Klangfarbe. Die wichtigste Regel für eine Scordatur ist, die Saite so zu stimmen, dass möglichst viele leere Saiten in der Haupttonart des betreffenden Stückes als Tonhöhen vorkommen. Trifft dies zu, ist eine Aufhellung der Gesamtklangfarbe zu erwarten. Kommen möglichst wenige leere Saiten vor, wird die Klangfarbe eingetrübt oder verdunkelt. Auch dieser Effekt kann erwünscht sein.

Auf 3, 4 und 5 Saiten

Mitte des 18.Jahrhunderts wurden vorwiegend dreisaitige Kontrabässe gebaut, die sich bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts hielten. Der dreisaitige Kontrabass hatte einen stärkeren Klang, einen klareren, härteren und  durchsetzungsfähigeren Ton, dafür aber einen geringeren Umfang in der Tiefe. Stimmung: A1, D, G oder G1, D, A. Die Komponisten der Wiener Klassik hatten durchwegs dreisaitige Kontrabässe für die Realisierung ihrer Orchesterwerke zur Verfügung.

Ab den 30ern des 19. Jahrhunderts wurden wieder viersaitige Kontrabässe eingeführt, die bis gegen Ende des Jahrhunderts neben den dreisaitigen Instrumenten bestanden und sich schließlich durchsetzten.
Der 4-Saiter hatte einen weicheren, glatteren und schwächeren Klang als der 3-Saiter, dafür in der Tiefe einen größeren Tonumfang bis E1. Der schwächere Klang wurde durch eine größere Besetzung ausgeglichen. Darüber hinaus begannen neue Blasinstrumente in tiefster Lage wie Bassklarinette und Kontrafagott den Kontrabass zu unterstützen.

Für die Aufführung von Werken des 20. Jahrhunderts sind fünfsaitige Kontrabässe notwendig geworden. Der Vorteil der 5-Saiter liegt darin, dass sie in der Tiefe bis zum H2 reichen, eine Tonhöhe, ohne die nicht mehr auszukommen ist. Der Nachteil: Sie sind schwerer zu spielen, weil das Griffbrett breiter ist.

Beim Kontrabass ist seit Beginn des 20. Jahrhunderts ein großer Zuwachs an Aufgaben und Spieltechniken zu beobachten, die von gänzlich neuen Klangvorstellungen inspiriert sind.

Jazz

Im frühen Jazz wurde der Bass von Tuba oder Sousaphon ausgeführt, erst in der klassischen Epoche wurde der Kontrabass eingeführt. Seine Aufgabe ist in den meisten Jazzstilen die Betonung des Grundschlages (beat), was durch die Spielweise als slap bass (Schlagbass) bewirkt wird. In späteren Stilen „swingt“ sich der Kontrabass melodische Linien zurecht, die eine Gegenstimme zur Melodie bilden (walking bass). Schnelles Tempo, das Spiel in höchsten Lagen und avancierte Spieltechniken sind in modernen Jazzstilen zum Standard geworden.