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Englischhorn (Französisch)
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Englisch Horn - Geschichte

Vorläufer

Das Englisch Horn stammt wie alle Mitglieder der Oboenfamilie von den mittelalterlichen Schalmeien ab. Zur Zeit der Renaissance umfasste die Schalmeiengruppe der Bomharten (oder Pommer), die direkten Vorläufer der modernen Doppelrohrblattinstrumente, Vertreter aller Stimmlagen, von der Diskant-Schalmei (3-gestrichene Oktave) bis zum Großbasspommer (Kontraoktave).

Im Laufe des 17. Jahrhunderts entwickelte sich aus der Diskant-Schalmei der Hautboy, seines Zeichens Vorläufer der heutigen Oboe. Die Tenoroboen, die aus dem Alt-Pommer hervorgingen (die tieferen Pommer wurden durch Knickung des Rohres zu Fagotten), wurden kurz später nach Vorbild des Sopraninstrumentes hergestellt.

Tenoroboen im 18. Jahrhundert

Historische Tenoroboen

1. Taille de hautbois
2. Vox humana
3. Oboe da caccia

Im Laufe des 18. Jahrhunderts bildeten sich mehrere in f gestimmte Tenoroboen (heute wird diese Lage als Alt bezeichnet) unterschiedlicher Bauweise heraus, die im vierstimmigen Satz der zeitgenössischen Doppelrohrblatt-Ensembles die Mittelstimmen ausführten, während zwei Sopranoboen und ein Fagott die Außenstimmen bildeten. Ende des Jahrhunderts setzte sich das Englisch Horn durch und stellt heute das Altinstrument der Oboenfamilie dar.

Die Taille (de hautbois) als früheste Tenoroboe in F hatte bis Ende des 17. Jahrhundert dieselbe Form wie die Oboe (war jedoch aufgrund der tiefen Stimmung etwas größer). Sie bestand aus drei Teilen und hatte zwei Klappen. Um die Jahrhundertwende wurde sie wahrscheinlich von deutschen Oboenbauern mit einem birnenförmigen Schallstück, dem sogenannten „Liebesfuß“, versehen. Sie war in großen Teilen Europas verbreitet, ihr Haupteinsatzgebiet umfasste Konzert- und Theatermusik (z.B. Henri Purcells „Die Geschichte des Dioklesian“ 1690), sakrale Musik (z.B. in Johann Sebastian Bachs Kantaten) sowie Bläserensembles. Um 1780 verschwand sie.

Die Vox humana, eine zweiteilige, gerade Tenoroboe in F, war ab dem 2. Drittel des 18. Jahrhunderts in England und Süditalien in Gebrauch. Ihr Korpus war schlicht und ohne Verzierungen, das Schallstück nur sehr schwach ausladend. Das Instrument mit 6 Grifflöchern und 2 Klappen wurde hauptsächlich in Doppelrohrblatt-Ensembles in Kirchen gespielt und wurde gegen 1780 durch das Englisch Horn verdrängt.

Die Oboe da caccia (Jagdoboe, franz. hautbois de chasse/de forêt ), wurde zwischen 1720 und 1760 in einigen Teilen Mitteleuropas, hauptsächlich Deutschland, gespielt. Diese stark gebogene Tenoroboe in F mit ausladendem Schallstück war aus einem Stück Holz gefertigt und mit Leder überzogen. Die gebogene Form wurde durch Aussägen von Keilen und anschließendem Aufspannen des Instrumentes auf einen Bogen erreicht. Zusammen mit dem weit ausladenden Schallstück erinnerte die Form an ein Horn, daher der Name. Der bekannteste Part, der für dieses Instrument geschrieben wurde, ist Johann Sebastian Bachs „Matthäuspassion“, in der zwei Oboi da caccia (und eine Querflöte) eine Sopranarie begleiten.

Engelshorn und Englisch Horn

Das heutige Englisch Horn entstand um 1720 wahrscheinlich in Schlesien, indem die Oboe da caccia mit einem Liebesfuß ausgestattet wurde. Der Oboenbauer J. T. Weigel war offenbar einer der ersten, der solche „cor anglais“ genannten Instrumente herstellte. Die Klappenmechanik entsprach der der Oboe, das Rohrblatt wurde auf ein kurzes, gebogenes Röhrchen gesteckt. Im Laufe des Jahrhunderts wurde die Bogenform abgemildert, und gegen Ende des Jahrhunderts etablierte sich zusätzlich eine winkelförmige Bauweise, die sich für Jahrzehnte hielt.

Die Entstehung des Namens „Englisch Horn“ hängt höchstwahrscheinlich mit der hornähnlichen Form der frühen Tenoroboen, insbesondere der Oboe da caccia zusammen: Sie erinnerte offenbar an die Engelshörner, mit denen Engel auf mittelalterlichen und neuzeitlichen sakralen Abbildungen dargestellt waren. Das mittelhochdeutsche Wort „engellisch“ stand für das Adjektiv „Engels-“. Gleichzeitig bedeutete es aber auch „englisch“, weshalb aus dem Engels-Horn das Englisch-Horn wurde. Nach dem Verschwinden der frühen Tenoroboen ging die Bezeichnung auf das heutige Englisch Horn über.

Eine andere Theorie geht davon aus, dass die französische Bezeichnung „cor anglé“ („gewinkeltes Horn“) für das winkelförmige Instrument im Laufe der Zeit zu „cor anglais“ („Englisches Horn“) gewandelt wurde. Es ist jedoch anzunehmen, dass der Name Englisch Horn schon entstanden war, bevor das Instrument winkelförmig gebaut wurde (um 1790).

Das Englisch Horn im Orchester

Niccolò Jommellis legte mit seinem 1749 in Wien uraufgeführten „Ezio“ den Grundstein zur Verwendung des Englisch Horns im Orchester. Es wurde zunächst immer paarweise eingesetzt. Einer der ersten Komponisten, die regelmäßig das English Horn verwendeten, war Christoph Willibald Gluck – er schrieb es erstmals in „La danza“ (1755) vor. In der folgenden Zeit wurde das Englisch Horn ein beliebtes Instrument in der italienischen Oper, wo es lyrische und singstimmenähnliche Parts auszuführen hatte. Italienische Opernhäuser etablierten sich in vielen mitteleuropäischen Städten, darunter v.a. Wien, München, Dresden, Hamburg, Mailand, Venedig, Neapel und Lissabon. In diesen Orten waren auch die Instrumentenbauer ansässig, die Englisch Hörner herstellten.

Anfang des 19. Jahrhunderts erwachte das Interesse an der neuartigen tiefen Oboe auch in Frankreich. Die Virtuosität des Oboisten und Englisch Hornisten Gustave Vogt (1781–1870), seines Zeichens Professor am Pariser Konservatorium, inspirierte einige Komponisten zu herausragenden Englisch Horn-Parts – darunter Gioacchino Rossini (z.B. das Solo in der Ouvertüre zu „Wilhelm Tell“) und Hector Berlioz.

Berlioz war es auch, der den typischen Klangcharakter des Englisch Horns von seinen frühesten Werken an für sentimentale, melancholische und schwermütige Wirkungen nutzte – in seiner Instrumentationslehre (1843) bemerkt er, kein anderes Instrument könne „Gefühle der Abwesenheit, der Vergessenheit, der schmerzlichen Vereinsamung“ so eindringlich vermitteln wie das „Englische Horn“. Das gesamte Jahrhundert hindurch erfüllte das Englisch Horn ausschließlich diese zutiefst romantischen und elegischen klanglichen Aufgaben.

Technische Weiterentwicklung

Ab 1810 arbeitete der angesehene Oboenbauer Guillaume Triébert zusammen mit Gustave Vogt an der technischen Verbesserung des Englisch Horns. Er stattete es mit weiteren Klappen aus und gestaltete das Unterstück gerade. Ab etwa 1860 entstanden in der Werkstätte der Triéberts Englisch Hörner mit geradem Rohr.

Vogts Nachfolger an der Pariser Oper, Henri Brod (1799–1839), hatte seinerseits schon 1830 in seiner eigenen Werkstätte ein gerades Modell entwickelt, das er zuerst Altoboe, später „cor anglais moderne“ nannte.

Das gerade Englisch Horn verfügte über bessere Resonanzeigenschaften und war handlicher als sein Vorgänger. Das von François Lorée (1835–1902) überarbeitete Modell Henri Brods stellt bis heute die Grundlage für den Bau von Englisch Hörnern dar.

Das moderne Englisch Horn

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Englisch Horn im deutschsprachigen Raum kaum eingesetzt – so fehlt es z.B. in Beethovens Spätwerken, bei Schubert, Spohr, Brahms und Weber. Erst im romantischen Orchester eines Richard Wagner, Richard Strauss und Gustav Mahler wurde es wieder entdeckt und erstmals als vollwertiges Orchesterinstrument integriert, indem ihm als Mittelstimme der Holzbläser dieselben Aufgaben wie den anderen Holzbläsern zugewiesen wurden. Es wurde aber auch weiterhin für die spezielle Effekte verwendet, z.B. als Hirtenschalmei oder für exotische Klangwirkungen wie etwa in Saint Saens’ „Samson und Dalila“ (1877) oder Borodins „In Zentralasien“ (1880). In England und Russland etablierte es sich in den 30-er Jahren.

Besonders im 20. Jahrhundert wurden dem Englisch Horn vermehrt solistische Aufgaben zugedacht. Nebst Konzerten entstanden auch mehrere kammermusikalische Werke. Nach wie vor aber wird das Englisch Horn hauptsächlich als Orchesterinstrument eingesetzt.