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Glockenspiel
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Glockenspiel - Geschichte

Vorbilder

Das heute unter dem Namen Glockenspiel verbreitete Instrument verdankt seine Entstehung der Zusammenführung zweier unterschiedlicher Instrumentengruppen: der „echten“ Glockenspiele und der Metallophone.

Bei den „echten“ Glockenspielen handelt es sich um ein Set von echten Glocken verschiedener Größe. Auf solchen Instrumenten werden mehrere melodische Formeln, die sich überlagern, von einem oder von mehreren Spielern ausgeführt. Die Anzahl der Spieler richtet sich nach der Größe des Glockenspiels. Im französischen Sprachraum nennt man solche Spiele Carillon. Die Abfolge der Schläge ist streng geregelt und unterliegt lokalen Traditionen. In Deutschland wird diese Form des Spielens, die auf fix installierten Glockenspielen auf Kirchtürmen und Rathaustürmen praktiziert wird, als Beiern bezeichnet. In vielen Orten wird die Schlagfolge von einem automatischen Mechanismus ausgeführt, der von einem Uhrwerk geregelt wird. Nach wie vor ist das Beiern in vielen Orten lebendige Tradition und eine Attraktion für Touristen.
Auf demselben Prinzip beruhten auch die kleineren Glockenspiele.

Metallphone sind in Ostasien seit über 1000 Jahren bekannt, wo sie im Gamelan-Orchester als saron und gendèr bis heute entscheidende melodische Aufgaben erfüllen. In Europa wurden sie Mitte des 18. Jahrhunderts zum ersten Mal erwähnt. Dabei handelte es sich um Instrumente mit mehr als drei Oktaven Umfang, die Klangstäbe waren entweder aus demselben Metall wie die Glocken oder aus Silber gefertigt und bereits wie eine Klaviatur angeordnet. Die Schlägel hatten Köpfe aus Holz.

Das alte Spiel mit dem Glockenspiel

Die Chinesen verwendeten bereits vor 4000 Jahren Glocken im Orchester. Im 9. Jahrhundert waren halbkugelige birnenförmige Glocken bei den abendländischen Mönchen verbreitet. Diese Cymbala genannten Instrumente hatten kleine runde Glöckchen aus Bronze, die – an einer Stange aufgehängt – von einem oder zwei Spielern angeschlagen wurden.

Im 14. Jahrhundert gab es zwei Arten von Glockenspiel: große auf Kirchtürmen und kleinere für den Hausgebrauch. Ab dem 17. Jahrhundert wurden die kleineren Glockenspiele mit einer Klaviatur versehen, um auch anspruchsvollere musikalische Parts ausführen zu können.

Den ersten Schritt hin zum heute im Orchester verwendeten Glockenspiel setzen die Holländer im 17. Jahrhundert: Sie ersetzten die unhandlichen Glocken durch Klangstäbe, die in einer Reihe aufgereiht wurden. Als Vorbild dienten ostasiatische Metallophone.

Die Entwicklung zum Orchesterinstrument

Lyra

Lyra

Der erste Komponist, der das Glockenspiel im Orchester vorschrieb, war Georg Friedrich Händel, der es in seinem Oratorium „Saul“ (1739) besetzte. Dieses Instrument mit 2 ½  Oktaven Umfang – Carillon genannt – hatte Metallglöckchen (oder Stäbe), die von einer chromatischen Klaviatur aus angespielt wurden. Es soll  geklungen haben, als ob Metallhämmer auf Ambosse schlagen würden. Händel hat dieses Instrument in mehreren seiner Opern vorgeschrieben.

Wolfgang Amadeus Mozart hatte 1791 für seine „Zauberflöte“ etwa dasselbe Instrument zur Verfügung wie Händel. Er setzte es ein, um den Vogelhändler Papageno zu charakterisieren (Zauberglöckchen).

Aus praktischen Gründen griff man in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Idee der Holländer auf und ersetzte die aufwändige Konstruktion von Glöckchen durch einfache Metallstäbe. Es entstand das Klaviaturglockenspiel: Die Klangstäbe wurden mittels Hämmerchen von einer Tastatur aus angeschlagen. Mit diesem Instrument wurden die Parts für das Glockenspiel ausgeführt, die bis dahin am Klaviersatz orientiert waren.

Kurz darauf wurde aus klanglichen Gründen das Stabglockenspiel entwickelt: Ein Glockenspiel, dessen Klangstäbe mit Schlägeln (Hämmerchen) von Hand angeschlagen wurden. Klanglich ist das Stabglockenspiel dem Klaviaturglockenspiel überlegen.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts existierten im Orchester beide Typen nebeneinander, wenngleich die KomponistInnen im 20. Jahrhundert dem Stabglockenspiel des besseren Klanges wegen den Vorzug gaben. Das Klaviaturglockenspiel bzw. die von August Mustel 1886 in Paris erfundene Celesta wird heutzutage oft für die Realisierung älterer Parts im Akkordsatz oder für die Realisierung besonders schwieriger Glockenspielstimmen herangezogen.

In der Blasmusik wird ein tragbares Glockenspiel verwendet, die Lyra. Diese tragbare Form des Glockenspiels wurde für marschierende Blasmusikkapellen entwickelt und war im 19. Jahrhundert in Deutschland verbreitet. Heute ist die Lyra wieder weit verbreitet, vor allem auch in Amerika. Den Namen hat das Instrument, dessen Rahmen wie die Lyra geformt ist, vom antiken Saiteninstrument übernommen.