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Harfe I
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Harfe - Geschichte 1 – vom alten Ägypten zum Mittelalter

Ägypten

Die Wiege eines der ältesten Instrumente der Menschheit liegt im vorderasiatisch- nordafrikanischen Raum. 6000 Jahre reichen die Zeugnisse zurück, vor allem Abbildungen auf Grabmalereien. Die Abbildungen im Grab Ramses des III. (1200 v.Chr) zeigen den ältesten und im alten Ägypten am meisten verbreiteten  Harfentypus: die Bogenharfe.

Kennzeichen der Bogenharfe ist der gekrümmte Hals (Saitenhalter), der mit dem Korpus einen halbkreisförmigen Bogen bildet.

Der flache Resonanzkörper (Korpus) war meist schaufel- oder spatenförmig. Die 6–12 Saiten waren zwischen den unbeweglichen Wirbeln am Hals und einer am Korpus befestigten Aufhängeleiste am unteren Instrumentenende aufgespannt. Die Resonanzdecke war aus Holz oder Tierhaut gefertigt. Oft wurde eine Schnitzerei an der Harfe angebracht, beispielsweise der Kopf eines Vogels.

Auf den meisten Abbildungen sind sitzende Harfenisten (Harfenspieler) zu sehen, das Instrument mit dem Resonanzkörper auf dem Boden aufgesetzt, der obere Teil an die Schulter gelehnt. Diese Harfen wurden bereits mit beiden Händen gespielt.

Bogenharfe

Bogenharfe

Winkelharfe

Winkelharfe

In vielen Abbildungen sind Harfen, oft mehrere, zusammen mit anderen Instrumenten zu sehen, wie Laute, Trommel und Doppelflöte. Auf den Abbildungen sind auch Harfenisten und Harfenistinnen (das Instrument wurde auch von Frauen gespielt) zu sehen, die Handsignale geben, offenbar war es ihre Aufgabe, den Verlauf der Musik durch Dirigierbewegungen zu beeinflussen. Die Harfe hatte in dieser Zeit feierlich-religiöse Funktionen, erst später wurde sie bei Tanzfesten eingesetzt.

Um das Jahr 2000 v Chr. taucht ein neuer Harfentypus auf, der sich wahrscheinlich von Asien aus verbreitete, die Winkelharfe . Kennzeichen der Winkelharfe ist der gerade Hals (Saitenhalter), der einen rechten oder spitzen Winkel mit dem Korpus bildet.

Die Aufhängeleiste war mit dem hölzernen Resonanzkörper verbunden und mit Leder überzogen. Die Saiten waren an einem Ende der Harfe am Leder befestigt, das die Aufhängeleiste umhüllte. Am anderen Ende waren sie um den Hals (Saitenhalter) gewickelt und mit Schnüren verlängert, um das Stimmen zu erleichtern. Der lederbedeckte Resonanzkörper war hohl und wurde innen von Streben verstärkt, der zylindrische Saitenarm in einem spitzen bis rechten Winkel am Korpus angebracht. Bis zu 20 Saiten waren üblich. Ein homogener Klang wurde dadurch erzielt, dass die tiefste Saite etwa 4 Mal so lang war wie die höchste.

Der Sprung nach Europa im Mittelalter

Die ersten Zeugnisse einer Verbreitung der Harfe in Europa stammen aus dem 8.Jahrhundert n. Chr. und kommen aus Irland und Schottland. Vermutlich wurde die Harfe aus Skandinavien dort eingeführt. Später breitete sie sich auf dem Festland aus, wo sie, als Cithara anglica bekannt, die Leier verdrängte. Die ältesten erhaltenen Harfen datieren aus dem 14. Jahrhundert und stammen aus Irland und Frankreich. In der christlichen Ikonographie sind Harfen meistens in Zusammenhang mit dem biblischen König David zu sehen, wo sie als sogenannte „Davidsharfen“ bekannt wurden. Der Name „hearpan“ taucht zum ersten Mal um das Jahr 1000 n. Chr. auf.

Der Harfentyp, aus dem sich alle späteren europäischen Harfen bis zur modernen Doppelpedalharfe entwickelten, war ein neuer: die sogenannte Rahmenharfe. Kennzeichen der Rahmenharfe ist eine zusätzliche Vorderstange (oder Säule), die zusammen mit dem Korpus (Resonanzkörper) und dem Hals (Saitenhalter) einen mehr oder weniger dreieckigen Rahmen bildet. Die Säule dient der Stütze, um die erhöhte Spannung der Saiten auszuhalten, die zwischen Hals und Resonanzkörper aufgespannt waren. Rahmenharfen konnten eine drei- oder viereckige Form haben, meist handelte es sich jedoch um Dreiecksharfen. Die früheren mittelalterlichen Harfen hatten zwischen 7 und 9, spätere zwischen 20 und 25 Saiten aus Darm oder Metall, wobei die Darmsaiten eher mit den Fingerkuppen, die Metallsaiten mit den Fingernägeln gespielt wurden. Die „irischen Harfen“ hatten bis zu 43 Metallsaiten.

Informationen über die Spieltechnik sind dünn gesät: Vermutlich wurden Saiten umgestimmt, Halbtöne durch das Anpressen der Saiten an den Hals erzeugt, Flageoletttöne durch gleichzeitiges Berühren der angezupften Seite in der Saitenmitte hervorgebracht. Möglicherweise wurden auch Fingernagel- und Fingerkuppenanschlag abgelöst, um Melodie und Begleitung in verschiedenen Klangfarben zu erhalten.

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Rahmenharfe

Erwähnenswert ist auch eine weit verbreitete Eigenheit, die dem spätmittelalterlichen Klangideal entsprach: Häufig wurden hakenförmige Stifte so am Harfenkorpus (Resonanzkörper) befestigt, dass die Saiten beim Spielen dagegen schlugen, so dass sich ein vibrierender, schnarrender, geräuschhafter Klang ergab (Schnarrsaiten). Dieser schnarrende Klang wurde bis in die Renaissance hinein geschätzt.

Im höfischen Leben diente die Harfe, die zu den leisen Instrumenten zählt, vor allem als Begleitinstrument zu Balladengesang und bei Tanzveranstaltungen. Die Harfe war gleichermaßen bei den oberen Gesellschaftsschichten (König, hoher Adel) wie auch bei Berufsmusikern beliebt (Barden, Troubadours, Minnesänger, Wandermusiker), die durch den kunstvollen Vortrag von Liebesliedern und Heldenballaden ihre Lebensunterhalt verdienten.