AUDIO
  • Sakura Concertino
  • Danse Profane
  • Introduction & Allegro
  • Solo for Harp
  • Cura

Open External Player

Harfe I
ist enthalten in den Produkten:


Harfe - Geschichte 2 – Renaissance bis Moderne

Renaissance und Barock: Chromatisierungsversuche

403_harfe_200x300.jpg

Renaissanceharfe

Die Weiterentwicklung der Harfe verlief ab dem 15. Jahrhundert nicht unabhängig von den Tasteninstrumenten (Orgel), ist doch zwischen beiden eine gewisse Verwandtschaft bezüglich der Organisation der Tonhöhen und der Spieltechnik festzustellen. Die Bemühungen zielten vor allem auf eine Erweiterung des Bassregisters. Um dies zu erreichen, wurden zwei Wege beschritten: Entweder der Hals wurde nach oben geschwungen und die Säule verlängert, um die entsprechende Saitenlänge zu erreichen. Oder das tiefere Ende des Korpus wurde bei gleich bleibendem Hals verlängert, wodurch der Winkel zwischen Säule und Korpus spitzer wurde, der zwischen Säule und Hals weiter. Renaissanceharfen waren in etwa 100 – 105 cm hoch, hatten 25–26 Darmsaiten und wurden mit der Fingerkuppe gespielt, nicht mehr mit dem Fingernagel. Der Tonumfang der diatonisch gestimmten Saiten reichte von F – c3. Die vierte Saite (H) oder die siebte (E) wurden oft einen Halbton tiefer gestimmt. Während des Spiels wurde die Halbtonerhöhung durch Niederdrücken der Saite mit dem linken Daumen oder Zeigefinger am Hals ermöglicht.

Um der zunehmend chromatischen Musik der späten Renaissance besser gerecht werden zu können, gab es im 16. Jahrhundert Versuche, aus der diatonischen Harfe, die vermehrt als Mangel empfunden wurde, ein chromatisches Instrument zu machen: die Doppelharfe wurde entwickelt. Die Doppelharfe wurde als Generalbassinstrument eingesetzt (auch in den Opern Claudio Monteverdis).

Doppelharfen hatten zwei Saitenebenen, die parallel zueinander angeordnet waren, eine Ebene war diatonisch, die andere mit den chromatischen Zwischenstufen ausgestattet. In der Mitte des Tonumfangs wechselten sich diatonische und chromatische Ebene ab: Die diatonischen Töne waren im tiefen Bereich auf der linken Seite angebracht (die linke Hand spielte die tiefen Saiten), die chromatischen auf der rechten. Im hohen Bereich, der Domäne der rechten Hand, war es umgekehrt, die diatonischen, die öfter gebraucht wurden, waren auf der rechten Seite, die chromatischen auf der linken. So konnte jede Hand in ihrem angestammten Bereich bleiben und beide Reihen greifen, die chromatischen Saiten durch die diatonischen hindurch.

Solche Instrumente hatten etwa 60 Saiten (ca. 33 auf der Seite der linken Hand, 26 auf der Seite der rechten Hand). Auch Instrumente mit gekreuzten Saitenreihen sowie dreireihige chromatische Harfen, die es auf bis zu 100 Saiten brachten, wurden gebaut.

Ende des 18. Jahrhunderts verdrängte die einfache Pedalharfe die Doppel- und Tripelharfen, nachdem beide Typen eine Zeit lang nebeneinander existiert hatten.

Hakenharfe: Mechanisierung

Im Verlauf des 17. Jahrhunderts wurde in Tirol von unbekannten Volksmusikern ein wesentlicher Schritt zur Weiterentwicklung der Harfe gesetzt: Die Hakenharfe ermöglichte es mit Hilfe von Haken, die am Hals nahe den Stimmstiften angebracht waren, die Saiten zu verkürzen und so um einen Halbton zu erhöhen. Am Anfang wurden nur an den Saiten mit den häufigsten Halbtönen Haken angebracht, später an jeder Saite. Die drehbaren Haken hatten neben dem unbestrittenen Vorteil der raschen Umstimmung den Nachteil, dass eine Hand das Spiel unterbrechen musste, um den jeweiligen Haken zu drehen. Die Saitenzahl sank gegenüber der chromatischen Harfe auf etwa 48, die Stimmung war in C-Dur. Das Umstimmprinzip der Hakenharfe breitete sich in Europa aus und wurde noch bis ins 19. Jahrhundert hinein auf diatonische Harfen angewandt. Solche Instrumente waren vor allem bei Volks- und Straßenmusikern beliebt.

Durch diese Funktion und die bald darauf folgende Erfindung des Pedals war es der Harfe endgültig gelungen, seinen Status als diatonisches Instrument, zwar mit erheblichen chromatischen Fähigkeiten, zu bewahren.

Pedalharfe

Um 1720 baute Jakob Hochbrucker in Bayern die ersten Pedalharfen. Durch anfangs 5, später 7 Pedale war es nun möglich, die diatonisch gestimmten Saiten um einen Halbton zu erhöhen. Alle Saiten gleichen Tons wurden mit einem Pedal betätigt, d.h. ein Pedaltritt erhöhte einen bestimmten Ton in allen Oktaven gleichzeitig, einen einzelnen Ton konnte man nicht erhöhen. Die Erhöhung um einen Halbton (Saitenverkürzung) war nur einmal möglich. Da die Pedale mit den Füßen betätigt werden konnten, waren beide Hände für das Saitenspiel frei.

Die Grundstimmung war im 18. Jahrhundert Es-Dur (auch As-Dur und B-Dur waren häufig).

Auf einer in Es-Dur gestimmten Pedalharfe war es möglich, in folgenden 8 Durtonarten zu spielen: Es, B (As erhöht zu A), F (Es erhöht zu E), C (B erhöht zu  H), G (F erhöht zu Fis), D (C erhöht zu Cis), A (G erhöht zu Gis), E (D erhöht zu Dis). W. A. Mozart schrieb sein Doppelkonzert für Flöte, Harfe und Orchester C-Dur, KV 299 für ein solches Instrument.

Diese einfache Pedalharfe wurde nach Frankreich exportiert, wo sie100 Jahre später zur modernen Doppelpedalharfe weiterentwickelt wurde.

Doppelpedalharfe

1820 baute der geniale Pariser Klavierbaumeister Sébastien Érard die Doppelpedalharfe, die moderne Harfe. Auf diesem Instrument konnte jede Saite zweimal um einen Halbton erhöht werden. Um dies zu erreichen wurde jede Saite  über zwei Drehscheiben mit jeweils zwei Stiften geführt, wobei jede Drehscheibe durch eine Pedalrückung gedreht werden konnte: Eine Pedalrückung bewirkte die Drehung der oberen Drehscheibe und die Erhöhung um einen Halbton, eine zweite Pedalrückung die Drehung der unteren und die Erhöhung um zwei Halbtöne. Dadurch wurde es möglich, in allen 12 Tonarten zu spielen. Die Grundstimmung der Saiten war Ces-Dur, der Tonumfang der 48 Saiten betrug über 6 Oktaven. Auf diesem Prinzip beruhen die heutigen Doppelpedalharfen.

Mit der neuen Technik erweiterten sich die Spielmöglichkeiten, neue Spiel- und Klangeffekte – wie das Glissando über einen verminderten Septakkord – gehörten bald zum Repertoire nicht nur des Solisten und Kammermusikers, sondern auch des Orchestermusikers.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts eroberte sich die Harfe, oft mehrfach besetzt, einen fixen Platz im Orchester.