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  • Scherzo Brillante (Horn)
  • Vienna Horn Variations
  • Adagio and Toccata
  • Blue Danube Waltz - Horn solo
  • Horn meets Brass & Percussion

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Horn in F - Besonderheiten des Wiener Horns

Das Wiener Horn ist in der musikalischen Welt für seinen besonders farbenreichen Klang bekannt. In der heutigen Orchesterpraxis ist es jedoch eine Rarität – nur wenige Orchester in Europa verwenden noch das Wiener Horn (z.B. die Wiener Philharmoniker). Es gilt als sehr schwierig zu spielen, da es in Bezug auf die Tonerzeugung weniger treffsicher ist als andere Hörner und dem Musiker ein hohes Maß an Kunstfertigkeit abverlangt.

Der Leiter des Institutes für Wiener Klangstil, Prof. Gregor Widholm, stellte zwischen 1985 und 1987 vergleichende Untersuchungen zwischen dem Wiener Horn, dem Doppelhorn in F/B und dem Tripelhorn in F/B/hoch f an und erhielt neue Ergebnisse über die akustischen, spieltechnischen und klanglichen Besonderheiten des Wiener Horns (http://iwk.mdw.ac.at):

Demnach ist der Klang des Wiener Horns teiltonreicher und wirkt deswegen im direkten Vergleich zum Doppelhorn, das weltweit am gebräuchlichsten ist, heller. Der/die HornistIn kann auf dem Wiener Horn gebundene Töne weicher artikulieren und die Klangfarbe des Instrumentes leichter verändern. Damit hat der/die MusikerIn mehr Möglichkeiten der musikalischen Artikulation. Fortissimo gespielt überlagern Wiener Hörner den Orchesterklang weniger stark als Doppelhörner.

Gegenüberstellung von Hörnern (v.l.n.r.): Wiener Horn, Doppelhorn in F/B, Tripelhorn in F/B/hoch f

Warum ist das Wiener Horn schwieriger zu spielen?

In der ersten Phase der Tonerzeugung erfordert das Wiener Horn einen höheren Energieaufwand als das Doppelhorn, im Vergleich zum Horn in hoch f (Tripelhorn in F/B/hoch f) muss sogar eine doppelt so lange Luftsäule in Schwingung gebracht werden. Daher beanspruchen Stellen mit vielen Staccatonoten einen Wiener Hornisten mehr.

In den hohen Lagen muss die Lippenspannung exakter als bei anderen Hörnern abgestimmt werden, um die berüchtigten „Kiekser“ zu vermeiden, die man nichtsdestotrotz zu den liebgewonnenen Eigenheiten des Wiener Horns zählen kann.

Die klanglichen und spieltechnischen Besonderheiten des Wiener Horns liegen in der speziellen Bauart begründet:

Mensur
Im Vergleich zum Doppelhorn ist das Wiener Horn enger mensuriert: Die Bohrung beträgt beim Wiener Horn im zylindrischen Teil ca. 10,8 mm, beim Doppelhorn 11,5–13 mm. Auch Schallstück und Schalltrichter sind beim Wiener Horn enger mensuriert. Die Folge ist der schon erwähnte teiltonreichere Klang. Die hohen Teiltöne im Klang der Wiener Hörner steigen auch bei einem starken Crescendo stärker an als bei Doppelhörnern. Dem Musiker stehen also beim Wiener Modell mehr Klangfarben zur Verfügung, aus denen er auswählen kann.

Abnehmbarer F-Bogen
der Bogen ist ein kreisförmig gebogener Teil des Rohres, der beim Wiener Horn abnehmbar ist, beim Doppelhorn fix integriert. Durch das Auswechseln des Bogens, der immerhin fast ein Drittel der Rohrlänge in Anspruch nimmt, kann der Charakter des Instrumentes, sprich Tonansprache, Klang und Intonation, beeinflusst werden.

Ventile
Das Wiener Ventil ist ein Doppelpumpenventil. Der Pumpenventil-Mechanismus begünstigt durch die Position der Ventile weiche Bildungen bei legato gespielten Tönen, die Töne gehen fließend ineinander über. Bei schnellen legato-Folgen klingen die Töne aus diesem Grund leicht verschwommen. Beim Drehventil des Doppelhorns sind die Töne kurz durch ein Geräuschband voneinander getrennt, daher erhält der Zuhörer auch bei schnellen Legato-Folgen den Eindruck von klar getrennten Tönen.