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  • Scherzo Brillante (Horn)
  • Vienna Horn Variations
  • Adagio and Toccata
  • Blue Danube Waltz - Horn solo
  • Horn meets Brass & Percussion

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Horn in F - Geschichte 1 – Frühzeit bis Barock

Mittelalter – vom Ton zur Tonskala

Die mittelalterlichen Hörner hatten viele verschiedene Ausprägungen, vom kleinen an einer Fessel über die Schulter getragenen Horn bis zum mannshohen Schlachthorn.
Diese Hörner besaßen eine Anblasöffnung anstelle eines Mundstückes. Auf den kleinen Hörnern konnte zunächst nur ein Ton erzeugt werden, auf den größeren die ersten drei Naturtöne.

Die hauptsächlich verwendeten Hörner des Mittelalters waren:
Das mittelgroße Stierhorn: aufgrund seiner beachtlichen Lautstärke wurde das aus Büffelhorn hergestellte Stierhorn als Jagdhorn verwendet.
Das Heerhorn: dieses Horn aus Metall war fast menschengroß und geschwungen. Es klang lauter und dröhnender als jedes andere Horn und wurde daher zu Kriegszwecken eingesetzt. Sein Nachfolger ist das Alphorn.
Das Signalhorn oder Hifthorn: das kleinste aller Hörner war aus Tierhorn oder Metall gefertigt und wurde von Wächtern, Türmern und Hirten verwendet. In Ritterkreisen kursierte die edlere Variante aus Gold oder Elfenbein.

Ausgehend von England wurde um 1000 n.Chr. der Tonumfang durch Anbringen von Grifflöchern sukzessive erweitert, nach dem Vorbild der Pfeifeninstrumente.

Kreisrunde Hörner, die direkten Vorgänger der heutigen Ventilhörner, wurden in Europa wahrscheinlich ab dem 12. Jahrhundert gebaut. Zwar hatte es in frühen Hochkulturen schon kreisrunde Hörner gegeben, die Kunst, sie herzustellen, war jedoch durch die Völkerwanderung um 800 in Europa wieder verloren gegangen.

Barock – vom Jagdhorn zum Orchesterinstrument

Die Hörner der Barockzeit besaßen Kesselmundstücke, die entweder aus der Rohrmündung selbst herausgearbeitet waren oder auf das Rohr aufgesetzt waren. Durch halbes Abdecken der Grifflöcher konnte man eine chromatische Tonreihe hervorbringen, und auch die Technik des Überblasens war schon bekannt. Weit verbreitet war die Kunst des „Zinkblasens“: Der Zink (ital. cornetto, franz. cornet à bouquin, engl. cornett)  hatte sich aus den mittelalterlichen Hörnern entwickelt. Nach erheblichen Verbesserungen in der Renaissancezeit hatte der barocke Zink ein dickes, meist sechseckiges, gekrümmtes Rohr aus Holz, seltener auch aus Metall. Er besaß sieben Grifflöcher, die bei größeren Instrumenten mit Klappen versehen waren, und wurde  mit einem Kesselmundstück angeblasen.

Als Sopran der Posaunengruppe fand der Zink auch Eingang in die Kunstmusik, v.a. in den Werken J.S. Bachs. Der Zink kann nicht als  Blechblasinstrument im heutigen Sinne gelten, da sein Ton wesentlich schlanker war und nicht den eigentümlichen Metallcharakter der modernen Blechblasinstrumente hatte.

Das im 17. Jahrhundert verwendete große, einwindige Jagdhorn (ital. corno da caccia, fr. cor de chasse) wurde zuerst in Frankreich technisch weiterentwickelt und erhielt daraufhin in England den Namen french horn (der auch auf ein Modell des modernen Ventilhorns übertragen wurde).

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Gerader Zink in C, Günther Körber (=Signatur), Holz (Musikinstrumentenmuseum Schloss Kremsegg, Austria, Sammlung Streitwieser)

Mitte des 17. Jahrhunderts, als die Trompete schon in der Kunstmusik verwendet wurde, diente das Horn noch immer als Signalinstrument für die Jagd und im Krieg. Das lag nicht zuletzt daran, dass kreisrunde, gewundene Rohre sehr schwer herzustellen waren. Das Jagdhorn war praktisch eine Trompete in Hornform: Sein Rohr war lang und eng und nur sehr schwach konisch. Es verfügte über die gleiche umfangreiche Naturtonskala wie die damalige Trompete. Jedoch hatte der Klang des Horns nicht ganz die metallische Schärfe des Trompetenklanges.

Das Jagdhorn, das sich klanglich prinzipiell nicht von der Trompete unterschied, wurde v.a. deshalb geschätzt, weil es durch das kreisförmige Rohr ein handliches tief gestimmtes Instrument darstellte, das sich zur Ausführung der Trompetenstimmen in tieferer Lage eignete – die tiefste Trompete (in tief F) hatte damals die unpraktische Rohrlänge von 3,86 Meter!

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Jagdhorn in Es mit 3 ½ Windungen, Gaillard & Loiselet, Paris, nach 1935 (Musikinstrumentenmuseum Schloss Kremsegg, Austria, Sammlung Streitwieser)

Um 1680 wurde in Paris erstmals ein Jagdhorn mit mehrfach kreisförmig gewundenem und konischem Rohr aus einem Stück gebaut. Jean Baptiste Lully (1632–1687), ein bedeutender Entwickler der Orchestertechnik (er erweiterte den Klang des Streichorchesters zur Fünfstimmigkeit, ebenso verdankten ihm das Menuett und das Concerto grosso wesentliche Impulse und seine Weltgeltung) und überdies der Schöpfer der französischen Nationaloper, setzte sich für die Vervielfältigung dieses verbesserten Horns ein und erreichte damit die Aufnahme des Jagdhorns ins Orchester.)

Das Jagdhorn wurde besonders von Bach und Händel seit dem Anfang des 18.Jahrhunderts in verschiedenen Stimmungen eingesetzt, und zwar auch, wie die Trompete, im höchsten Register bis zum 16. Naturton. Das Horn wurde im Orchester meist von Trompetern gespielt. Es wurde im Orchester parallel mit der anderen verbreiteten Hornart, dem Zink, verwendet, der jedoch Mitte des 18. Jahrhunderts außer Gebrauch kam.

Um 1700 erfuhr das Jagdhorn in Wien, v.a. durch die Brüder Leichamschneider, eine wesentliche Umgestaltung, die ihm eine neue Klangqualität verlieh und zum eigentlichen Waldhorn machte: Michael und Johannes Leichamschneider nahmen am Jagdhorn folgende wesentliche Veränderungen vor: Die Erweiterung der Mensur verdunkelte den bislang trompetenähnlichen Klang und schuf einen neuen, charakteristischen Hornklang. Das Rohr wurde konischer gemacht und viermal gewunden, wodurch das Horn noch handlicher wurde. Zusätzlich erhielt das neue Waldhorn Krummbögen, d.h. zusätzliche Rohrstücke, die zwischen Mundstück und Instrumentenrohr gesteckt wurden, um das Waldhorn in eine andere Tonart umzustimmen.