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Französische Oboe
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Oboe - Geschichte

Antike Vorläufer – Aulos und Tibia

Schon im Altertum waren Blasinstrumente mit Doppelrohrblatt bekannt. Die frühesten ikonografischen Darstellungen solcher Instrumente stammen aus Mesopotamien um 3000 v. Chr.

Doppelrohrblattinstrumente entwickelten sich bei den Griechen und Römern zu den angesehensten aller Instrumente. Das Spielen von Aulos und Tibia war mit sozialem Rang verbunden, die Musiker erfreuten sich großer Beliebtheit und genossen Privilegien.

Griechische Aulosspieler wurden traditionell mit zwei Auloi an den Lippen dargestellt, was beweist, dass der Aulos ein Doppelinstrument war. Verschiedene Arten von Auloi wurden, ebenso wie die römischen Tibia, zu den verschiedensten Gelegenheiten gespielt: während der Schlacht, bei der Speisenzubereitung, bei festlichen Anlässen und im Theater, wo der Aulos den Chor begleitete.

Schalmei – das Instrument der Spielleute

Heute ist nicht mehr eruierbar, ob die modernen Oboen direkte Nachfolger der griechischen und römischen Doppelrohrblattinstrumente sind, oder ob sie während der Völkerwanderung in Europa verloren gegangen sind und über Byzanz und Asien erneut nach Europa kamen.

Im frühmittelalterlichen Europa war jedenfalls ein Instrument in Gebrauch, das aus einer einfachen Röhre bestand und Calamus genannt wurde (lateinisch calamus = Rohr, Halm). Von Calamus leitet sich die deutsche Bezeichnung Schalmei (engl. Shawm, altfranz. Chalemie) ab. Schalmei bezeichnete in der Folge kein einzelnes Instrument, sondern einen Instrumententypus, der mit (einfachem oder doppeltem) Rohrblatt angeblasen wurde.

Zur Schalmeienfamilie der Renaissance gehörte neben Krummhörnern, Dulzianen und Sackpfeifen auch die Gruppe der Bomharten oder Pommer, die als direkte Vorgänger der modernen Doppelrohrblattinstrumente anzusehen sind.

Wie in den Instrumentenfamilien der Renaissance üblich, waren auch in der Familie der Pommer alle Stimmlagen vertreten, von der Diskant-Schalmei (3-gestrichene Oktave) bis zum Großbasspommer (Kontraoktave). Die Diskant-Schalmei war das älteste Instrument der Pommer-Familie. Sie besaß – wie alle Pommer – eine Windkapsel, die beim Anblasen in den Mund genommen wurde. Das Doppelrohrblatt befand sich innerhalb dieser Windkapsel und wurde beim Anblasen nicht berührt. Der Spieler hatte also keine Möglichkeit, den Klang zu beeinflussen – dieser war relativ statisch.

Die Schalmeien der Renaissance wurden meist von fahrenden Spielleuten gespielt, die mehrere Instrumente beherrschten und auf kein Instrument spezialisiert waren.

Von der Schalmei zum Hautboy

Im Laufe des 17. Jahrhunderts entwickelte sich aus der Diskant-Schalmei der in C gestimmte Hoboy oder Hautboy (franz. hautbois).Diese frühe Oboe hatte keine Windkapsel mehr, der Spieler hatte nun direkten Lippenkontakt mit dem Doppelrohrblatt und bekam dadurch die Möglichkeit, den Oboenklang zu beleben.. Das Rohr aus Buchsbaumholz – bei der Schalmei noch aus einem Stück – wurde dreigeteilt: in Ober- und Unterstück sowie Schallstück. Außerdem wurden 3 Klappen eingeführt (wenig später wurden sie auf 2 reduziert). Der Schallstückrand war mit einem Wulst versehen. Diese Neuerungen gingen von Frankreich aus, vermutlich unter maßgeblicher Beteiligung der Instrumentenbauerfamilien Hotteterre (deren Werkstatt seit dem 16. Jahrhundert für innovativen Instrumentenbau stand) und Philidor. Der Hautboy hatte – wie alle barocken Holzblasinstrumente – eine klanglich ungleichmäßige Tonskala, da die mit Gabelgriffen erzeugten Zwischentöne stumpfer klangen.

Im späten 17. Jahrhundert wurde der Hautboy ins Orchester aufgenommen. Jean Baptiste Lully, Hofkomponist des "Sonnenkönigs" Ludwig XIV, verwendete ihn vermutlich schon 1657 in seinem Ballett „L’amour Malade“, Robert Cambert 1671 in seiner Oper „Pomone“. In der Folge erfuhr der Hautboy eine Blütezeit, die bis zum Ende des 18. Jahrhundert anhalten sollte. Während dieser Zeit waren in der grande écurie, dem Orchester am französischen Hof, an die 30 Hautboyisten angestellt.

Oboe, ca. 1730

Oboe, Europa, Adi Schlinger, ca. 1730. Leihgabe: Heinz Preiss (Musikinstrumentenmuseum Schloss Kremsegg, Austria, Sammlung Streitwieser)

Von Frankreich aus trat der Hautboy seinen Siegeszug durch ganz Europa an. Im Gegensatz zur Flöte gab es im Oboenspiel zunächst keine besonderen nationalen Ausprägungen oder Schulen, die Musiker tauschten untereinander die jeweils neuesten Spieltechniken und Instrumente aus. Der barocke Hautboy nahm insofern eine Sonderstellung ein, dass er als einziger universell eingesetzt wurde – von der Militärmusik über Kammermusik, Oper und Orchester bis zur sakralen Musik.

Im Orchester wurden Hautboys anfangs meist als Verdoppelung der Violinen eingesetzt (bis zur Klassik hatten sie sich jedoch emanzipiert und führten eigenständige Funktionen aus), und im Opernorchester erhielten sie in Arien die ersten solistischen Funktionen (Obligatos ). Das kammermusikalische Repertoire bestand zunächst hauptsächlich aus Stücken für Consorts (2 Oboen, 2 Tenoroboen (später Hörner) und 2 Fagotte). Anfang des 18. Jahrhunderts entstanden dann unzählige Solosonaten, Suiten mit basso continuo, Triosuiten (für Oboe, Flöte und Violine) und Konzerte. Das Oboenquartett (Oboe mit Streichertrio) kam in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf. Zur selben Zeit wurde der Hautboy als Hauptinstrument in Militärensembles langsam durch die Klarinette verdrängt.

Im 18. Jahrhundert wurden die technischen und klanglichen Eigenschaften des Hautboy ständig verfeinert. Die Mensur wurde enger (von durchschnittlich 5,9 auf 4,8 mm), die Rohrblätter enger und kürzer, das Rohr dünnwandiger, die Tonlöcher kleiner. Als direkte Folge stieg die Tonhöhe: Wird der Tonumfang noch um 1700 mit c1 bis d3 angegeben, so erweitert er sich im Laufe des 18. Jahrhunderts auf g3. Der Klang des neuen klassischen Hautboy war dünner und kompakter als der seiner Vorgänger, die Lautstärke entsprach in etwa der einer Violine oder Querflöte.

Zu den angesehensten Oboenbauern der Zeit gehörten in Frankreich Thomas Lot und Charles Bizey sowie Christophe Delusse; in Deutschland David Denner, Wilhelm Oberländer und Carl Golde; in England Thomas Stanesby und Caleb Gedney. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden die Modelle der Dresdener Instrumentenbauer Augustin Grenser und Jakob Grundmann in ganz Europa zum Standard.

19. Jahrhundert – mechanische Revolution

1781 fügte Grundmann zu den zwei Klappen des Hautboy eine weitere hinzu. In der Folge versahen deutsche Instrumentenbauer das Instrument mit immer mehr Klappen. Die Tendenz ging dahin, jedem Halbton ein eigenes Tonloch zu geben, das mit einer Klappe verschließbar sein sollte, und somit die Gabelgriffe überflüssig zu machen. In Frankreich folgte man dieser Entwicklung, wenn auch zögerlich, da viele Instrumentalisten die Meinung vertraten, zu viele Klappen schaden der Tonqualität.

Um 1825 wurden sowohl im deutschen als auch im französischen Raum Oboen mit 15 Tonlöchern und 10 Klappen gebaut. Trotzdem unterschieden sich die Instrumente grundsätzlich voneinander: Die unterschiedliche Klangästhetik hatte im Oboenbau zwei verschiedene Grundtypen herauskristallisiert, die später als „französische“ und „deutsche“ Oboe bezeichnet wurden.

In Frankreich setzte sich die Tendenz zu engerer Bohrung, dünnerer Rohrwand und schmäleren Rohrblättern kontinuierlich fort, während in Deutschland eine weitere Bohrung sowie die Charakteristika des klassischen Hautboy – das dickwandige Rohr, der Wulst am inneren Schallstückende, die Zwiebel (Baluster) und Ringe am Oberstück sowie die einfache Mechanik mit langstieligen, auf Holzblöcken gelagerten Klappen – bewahrt wurde. Eine innovative Mischform entwickelten Stephan Koch (1772–1828) und Joseph Sellner (1787–1843) um 1820 in Wien: eine Oboe mit klassischem Äußeren und für die damalige Zeit extrem enger Bohrung.

Die französische Oboe sowie die Wiener „Sellner-Koch-Oboe“ hatten einen hellen Klang, der aus dem Orchester herausstach, die deutsche Oboe behielt den dunkleren und mischfähigen Klang der klassischen Ära.

In Frankreich erhielt die Oboe durch innovationsfreudige Instrumentenbauer laufend neue mechanische Details: die Oktavklappe (die das Überblasen überflüssig machte), die von der Familie Trièbert eingeführte Kugelblocklagerung (längsgelagerte Mechanik, die ein komplexes Zusammenspiel von Hebeln und Klappen ermöglichte), Theobald Böhms sogenannte Brillenklappe (Bedienung einer Klappe durch einen Ring auf einer Rute; gleichzeitig wird ein anderes Tonloch geschlossen) sowie die Nadelfedern von Auguste Buffet sind nur einige davon.

Theobald Böhm (1794–1881), gelernter Uhrmacher und Flötist, entwickelte für die Querflöte einen revolutionären Klappenmechanismus, der in Frankreich begeistert aufgenommen wurde. Teile dieses Systems wurden auch auf die anderen Holzblasinstrumente übertragen. Eine radikale Böhm-Oboe (wie auch ein Böhm-Fagott) konnte sich jedoch aufgrund ihres neuartigen Klangcharakters nicht durchsetzen.

Die modernen Oboen

Ab den 1860ern entwickelte der Instrumentenbauer Frédéric Triébert (1813–1878) zusammen mit dem Oboisten Apollon M. R. Barret (ca. 1804–1879) Oboen, deren Nachkommen heute noch gespielt werden. Triéberts système 6 mit extrem enger Bohrung und Oktavklappe wurde 1872 patentiert. Zehn Jahre später erklärte der Oboenprofessor Georges Gillet  sie zum offiziellen Modell des Conservatoire de Paris. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das nur wenig verbesserte Conservatoire-Modell zum internationalen Standard.

Die heute in Österreich gespielte Wiener Oboe geht auf ein Modell des Dresdener Instrumentenbauers Carl Golde (1803–1873) aus den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts zurück. Sie verfügt noch über die klassische Korpusform – den ausladenden Schallbecher, den Baluster am Oberstück und die Erweiterungen an den Zapfenverbindungen. Das Rohr der Wiener Oboe ist konischer gebohrt und kürzer als das der Französischen Oboe. Die an die deutsche Oboe angelehnte Mechanik wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts verbessert und erweitert.

Wurde die Oboe im 19. Jahrhundert fast ausschließlich im Orchester eingesetzt, so entdeckten sie die Komponisten des 20. Jahrhunderts wieder als Soloinstrument. Dies war zu einem Großteil das Verdienst der herausragenden Oboisten Leon Goossens (1897–1988), der einige spieltechnische Erleichterungen etablierte (Zwerchfellatmung, lockeren Ansatz) und Heinz Holliger (* 1939), der unzählige neue Spieltechniken propagierte.