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Kleine Trommel
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Kleine Trommel - Geschichte

Die Rahmen- und Schellentrommel im Mittelalter

Im mittelalterlichen Europa waren Trommeln verschiedenster Bauarten beheimatet, die ihren Ursprung meist im Orient hatten. Die verbreitetsten Trommelarten waren die Rahmentrommel und die Schellentrommel. Die Rahmentrommel bestand aus einem eckigen oder runden flachen Holzrahmen mit einem Fell, die Unterseite war offen. Die Schellentrommel unterschied sich von der Rahmentrommel hauptsächlich durch die an der Zarge befestigten Schellen. Sie wurde wie ihre antike Vorgängerin mit der flachen Hand angeschlagen, während sich für die Rahmentrommel im Mittelalter eine zusätzliche, einhändige Spielweise herausbildete: Von den fahrenden Spielleuten meist als Begleitinstrument zur Einhandflöte (Pfeife oder Schwegel) verwendet, wurde sie, an einem Gurt seitlich von der Schulter des Spielers hängend, mit einem Schlägel angeschlagen, während der Spielmann mit der anderen Hand die Flöte spielte.

 

Rahmentrommel

Rahmentrommel nach Praetorius (Syntagma musicum, 1620)

Die kleine Spielmannstrommel

Spätestens seit dem 14. Jahrhundert ist in Europa ein Vorläufermodell der Kleinen Trommel und Rührtrommel belegt: eine kleine, hölzerne Zylindertrommel mit zwei Fellen sowie einer oder mehreren Schnarrsaiten am Schlagfell. Die Kalbs- oder Schaffelle wurden mit einer Trommelleine gespannt, die zwischen den Spannreifen des Schlag- und Resonanzfells zickzackförmig verlief. Der Spieler schlug den Rhythmus mit einem Stock auf der seitlich hängenden Trommel, während er auf der Einhandflöte oder Pfeife eine Melodie dazu spielte. Der Klang der einhändig geschlagenen Spielmannstrommel war eher leise – das Instrument hing an einer Schlaufe am Arm des Spielers, musste also leicht zu tragen und daher klein sein.

Namensgebung

Die Namensgebung für die mittelalterlichen Trommeln war uneinheitlich: Die wohl älteste Bezeichnung, lateinisch tympanum, bezog sich zuerst auf die flachen Rahmentrommeln, im späteren Mittelalter auf alle trommelartigen Instrumente (auch Pauken). Zusätzlich verbreitete sich die Bezeichnung tambur (engl. tabor, franz. tabour, tambour). Der lautmalerische Name Trommel tauchte erstmals im 12. Jahrhundert auf (ahdt. trumme, trumbe – „dröhnendes Instrument“) und bezeichnete anfangs die Membranophone und Trompeten zugleich. Das Englische drum („drome”, “drume”), das im 16. Jahrhundert die Bezeichnung tabor verdrängte, geht ebenfalls auf diesen Wortstamm zurück.

Tabor

Spielmannstrommel (aus: Praetorius, Syntagma musicum, 1620)

Die Landsknechtstrommel

Im 14. Jahrhundert ging die Praxis des „Einmannbetriebes“ von Trommel und Flöte zu Ende, die Ausführung teilten sich fortan zwei Spieler. Der Grund dafür lag in der Weiterentwicklung dieses Instrumentenpaares, die bei der Trommel zur Landsknechtstrommel führte. Einerseits wurde der begrenzte Tonumfang der Einhandflöte erweitert, so dass eine „Zweihandflöte“ daraus wurde, gleichzeitig wurde der relativ schwache Klang der kleinen Zylindertrommel verstärkt, was eine Vergrößerung des Instruments zur Folge hatte. Insbesondere in der Militärmusik war Schallstärke gefragt.

Die Chroniken der Stadt Basel dokumentieren eine „Gilde der Trommler und Pfeifer“, deren Mitglieder eine wichtige Rolle bei öffentlichen Festlichkeiten spielten, bereits im Jahre 1332.

Im Laufe des 15. Jahrhunderts wurde die seitlich angeschlagene Trommel immer größer und klangstärker gebaut, um der erforderlichen Lautstärke einer Militärmusik gerecht zu werden. Beim Spielen hing sie nicht mehr vom Unterarm, sondern von der Schulter des Trommlers oder war mit einem Riemen um die Hüfte des Spielers gebunden. Die weithin bekannten „Schweizerischen“ Trommeln wurden beim Trommelbau zum Vorbild. Während die kleine Spielmannstrommel als Folkloreinstrument weiterbestand, avancierte die neue Trommel großer Bauart zum wichtigen Instrument der Landsknechte und erhielt daher auch den Namen Landsknechtstrommel oder Rührtrommel („Soldaten Trummel“). „Trommeln und Pfeifen“ bildeten das Charakteristikum im Erscheinungsbild des gemeinen Fußvolkes, während die Pauken und Trompeten die Kavallerie repräsentierten.

Die Landsknechtstrommel war zwischen 50 und 70 cm hoch (manche Modelle sogar einen Meter) mit einem Durchmesser von 50 cm. Sie wurde mit zwei starken Stöcken angeschlagen. Die Schnarrsaiten wurden seit dem 16. Jahrhundert am Resonanzfell auf der Unterseite angebracht.

 

Landsknechttrommel

Landsknechtstrommel ("Soldatentrummel", aus: Praetorius, Syntagma musicum, 1620)

Basler Trommel

Die Hauptaufgabe der Landsknechtstrommel war es, Signale zu geben und den Marschierrhythmus zu markieren. Einzel-, Doppelschläge und Wirbel gehörten bereits zum üblichen Repertoire an Schlagtechniken.

Im 17. und 18. Jahrhundert spielte sich die Entwicklung der Landsknechtstrommel weiterhin innerhalb der militärischen Welt ab, wobei die Verringerung ihrer Maße, besonders der Zargenhöhe, angestrebt wurde.

Diese verkleinerte Form der Landsknechtstrommel wird heute als Basler Trommel oder Paradetrommel bezeichnet. Sie ist bei den hochangesehenen Basler Trommlergilden („Basler Fastnachtscliquen“) noch in Originalform in Verwendung, das Fell mittels Schnurspannung in Zickzack-Form äußerst straff gespannt, um einen hellen Klang zu erreichen. In der traditionsreichen Basler-Trommeltechnik haben Abpralltechnik und virtuose Verzierungen einen hohen Stellenwert. Beim zeitgenössischen Modell dieser Trommel wird das Fell mit Schrauben gespannt.

 

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Basler Trommel

Militärtrommel

Als Mitte des 18. Jahrhunderts zusammen mit der Janitscharenmusik die Große Trommel („Türkentrommel“) an die europäischen Fürstenhöfe kam, war die Zargenhöhe der Landsknechtstrommel bereits auf 40–45 cm, der Durchmesser auf 40 cm reduziert worden. Ihr ursprünglich aus Holz gefertigter Korpus konnte neuerdings auch aus Messing sein.

Im 19. Jahrhundert hatten sich die Maße der Trommel auf etwa 40 cm Zargenhöhe und 40 cm Durchmesser reduziert, d.h. die Höhe entsprach dem Felldurchmesser. Diese Trommeln verbreiteten sich schließlich unter dem Namen Militärtrommel (engl. military snare drum; fr. tambour militaire; ital. tamburo militare) in vielen Länder. Sie werden bis heute in der Militärmusik eingesetzt.

Gleichzeitig erschienen in Europa und in den USA Handbücher über die Grundlagen der Trommeltechnik – Militärtrommler mussten darüber hinaus zahlreiche Signalrufe beherrschen und hatten mittels bestimmter Signale die Befehle an die Truppen akustisch weiterzugeben, bis diese Aufgabe im 19. Jahrhundert von den Signalhörnern übernommen wurde. Daneben wurden Trommeln auch zur Signalgebung in der Schifffahrt eingesetzt, sowie – eher selten – im zivilen Bereich.

Die Aufnahme ins Orchester

100 Jahre später als die Pauken, also erst in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts, tauchte die Landsknechtstrommel unter der Bezeichnung  „tambour“ erstmals im Orchester auf: Georg Friedrich Händel („Feuerwerksmusik“ ,1749) und Christoph Willibald Gluck („Iphigenie auf Tauris“ 1779) setzten sie ein. Die Trommeln haben im Orchester nie die Bedeutung der Pauken erlangt, ihr wichtigster Anwendungsbereich ist bis heute die Marschmusik geblieben. Da die Trommel oft als Kriegsinstrument gedient hatte, erfolgten ihre ersten Einsätze im Orchester in der Absicht, eine militärische Atmosphäre zu erzeugen, wie z.B. in Josef Haydns „Militärsymphonie“ (1794). Eine programmatische Anwendung lieferte Ludwig van Beethoven in seiner Schlachtensymphonie „Wellingtons Sieg“ (1813): In diesem Werk gab er den beiden gegnerischen Armeen jeweils ein eigenes Trommelsignal.

Intensiverer Gebrauch von der Trommel wurde im Opernorchester gemacht, erwähnt sei hier Gioacchino Rossini, der sie in seiner Oper „Die diebische Elster“ (1817) sogar solistisch einsetzte, was ihm den Spitznamen „Tamburossini“ einbrachte.

 

Tambourin

Tambourin (Provenzalische Röhrentrommel)

Neben dem tambour – in historischen Partituren ist damit die jeweils zeitgenössische Form der Landsknechtstrommel gemeint – erfreute sich, v.a. in der französischen Oper des 18. Jahrhundert, ein Instrument mit der Bezeichnung tambourin äußerster Beliebtheit. Es handelte sich dabei um eine einhändig gespielte Trommel aus besonders leichtem Holz, mit einer Zargenhöhe von ca. 70 cm und nur einem Fell. Direkte Nachkommen dieses Tambourins (auch Provenzalische Trommel) werden heute noch in der südfranzösischen Folklore verwendet – nicht zu verwechseln mit dem Tamburin, der Schellentrommel.

Die Kleine Trommel

1837 wurde unter maßgeblicher Beteiligung des Engländers Cornelius Ward die Spannschraube zur Fellspannung erfunden, die innerhalb kurzer Zeit die Trommelleine ablöste. Die neue Spannmechanik machte es möglich, die Militärtrommel noch flacher zu bauen: Die Zargenhöhe wurde auf 20 cm, teilweise sogar 10 cm reduziert.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden flache Trommeln mit kleinerer  Zargenhöhe als Durchmesser (ca. 35 cm) in die Salonorchester, Tanzmusik- und Jazzensembles übernommen, wo sie rhythmische Funktion hatten. Anfang des 20. Jahrhunderts etablierte sich für die kleine Bauform allgemein die Bezeichnung Kleine Trommel. Das bekannteste Orchesterstück, in dem die Kleine Trommel eine herausragende Rolle spielt, ist Maurice Ravels „Boléro“ (1928).

Neue Impulse aus dem Jazz

Anfang des 20. Jahrhunderts war die Kleine Trommel bereits ein essentieller Bestandteil des Schlagzeugs im Jazz. Dessen Einfluss brachte für die Kleine Trommel in baulicher und spieltechnischer Hinsicht eine Flut an Innovationen.

Die Spannreifen, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts aus Holz waren, wurden von Metallreifen abgelöst. 1898 baute der Schlagzeuger Ulysses Grant Leedy den ersten verstellbaren Ständer für die Kleine Trommel. Um 1914 erfand Robert Danly die Abhebemechanik für die Schnarrsaiten, wodurch auf der Kleinen Trommel eine Art Tomtom-Klangeffekt erzeugt werden konnte. 1957 kam die erste Trommel mit synthetischem Fell auf den Markt. Das Plastikfell wurde wegen seiner Stabilität gegenüber klimatischen Veränderungen – es ist wasserdicht, widerstandsfähig und billig – in der Unterhaltungsmusik begeistert angenommen, während Orchestermusiker auch heute noch größtenteils Naturfelle bevorzugen.

Komponisten des 20. Jahrhunderts erweiterten die Aufgaben der Kleinen Trommel: neben den traditionellen rhythmischen Aufgaben, die komplexer und umfangreicher wurden, gewannen klangliche Aspekte immer mehr an Bedeutung. Darüber hinaus wurden der Kleinen Trommel auch solistische Parts anvertraut. Die Suche nach neuen Klangfarben mündete in Experimenten mit Schlagfleck und verschiedenen Schlägeln. Nicht zuletzt konnten sich neue Spieltechniken wie Anschlagen des Zargenrandes oder Rim shot (gleichzeitiges Anschlagen von Fell und Rand) oder Anschlagen mit Besen in den neuesten Orchesterwerken etablieren.