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Tamburin
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Tamburin - Geschichte

Antike

Die Schellentrommeln stammten ursprünglich aus dem Nahen Osten. Sie entstanden durch das Anbringen von Schellen und anderen kleinen rasselnden Gegenständen an die Zarge einer Rahmentrommel (Auch Rahmentrommeln ohne Schellen wurden allerdings immer wieder als Tamburin bezeichnet). Schellentrommeln waren schon den alten Ägyptern und Assyrern bekannt – in Ägypten als kultisches Instrument der Tempeltänzerinnen. Aber auch in anderen frühen Hochkulturen wurden Schellentrommeln hauptsächlich von Frauen gespielt. Neben ihrem Einsatz als Begleitinstrument zum Tanz wurden sie bei Festzügen und Feierlichkeiten sowie bei Begräbnisriten verwendet.

Die Größe des Instrumentes und die Form der Schellen haben sich über die Jahrhunderte immer wieder verändert, die Struktur des Instrumentes jedoch ist bis heute gleich geblieben. Die Schellentrommel der Griechen und Römer hatte bereits etwa das Aussehen des modernen Tamburins.

Instrument der Engel und Gaukler

Im Mittelalter war die Schellentrommel unter der Bezeichnung tympanum bereits im ganzen europäischen Raum heimisch. In Frankreich, Spanien (wo sie Pendereta genannt wird) und im südlichen Italien behielt sie bis heute in der Folklore eine unverändert bedeutende Rolle. Weit verbreitet ist sie aber auch in der Folklore vieler anderer Weltkulturen: in China, Indien, Peru, Grönland, im Kaukaus und in Zentralasien.

Die mittelalterliche Schellentrommel bestand aus einem eckigen oder runden flachen Holzrahmen mit einem Fell, die Unterseite war offen. An der Zarge waren in gleichmäßigen Abständen vier oder mehr Schellenpaare befestigt, die etwas größer und dicker waren als die heutigen. Zusätzlich oder an Stelle der Schellen wurden oft auch Glöckchen oder andere rasselnde Gegenstände in den Rahmen gearbeitet. Die Schellentrommel wurde wie ihre antike Vorgängerin mit der flachen Hand oder mit den Fingern angeschlagen. Auf mittelalterlichen Gemälden und Schnitzereien sowie in sakralen Manuskripten werde sie häufig von Engeln gespielt. Daneben war die Schellentrommel aber auch das Instrument der Gaukler und fahrenden Spielleute.

Neben der Schellentrommel wurden auch andere Formen der Rahmentrommel als Tympanum bezeichnet: die ein- oder zweifellige Rahmentrommel sowie eine Form, die auf der Unterseite mit einem Holzboden verschlossen war. Diese Trommeln wurden entweder mit der Hand oder mit Holzstöcken angeschlagen. Manche Abbildungen zeigen auch Instrumente mit einer Schnarrsaite am Fell – die Tonerzeugung erfolgte hier möglicherweise durch Zupfen der Saite.


Rahmentrommel

Rahmentrommel nach Praetorius (Syntagma musicum, 1620)

Das Tamburin im Orchester

Schon seit dem späten Mittelalter wurde die Schellentrommel bei besonderen Gelegenheiten in konzertanter  Weise mit anderen Instrumenten verwendet. Den Anstoß zur Aufnahme ins Orchester lieferte die Mitte des 18. Jahrhunderts an den europäischen Fürstenhöfen so beliebte Janitscharenmusik, die die Schellentrommel wieder in Hörweite einer breiteren Öffentlichkeit rückte – wie auch das Becken, die Große Trommel und die Triangel. Die Schellentrommel erhielt im 18. Jahrhundert, angelehnt an die französische Bezeichnung tambour (Trommel), den Namen Tamburin (kleine Trommel). Unter den ersten Orchesterwerken, in denen das Tamburin verlangt wurde, waren Christoph Willibald Glucks „Echo und Narziss“ (1779) und Wolfgang Amadeus Mozarts „Deutsche Tänze“ (1787).

Die inkonsistente Schreibweise von Tamb(o)urin und tambourin(e) führt in Partituren immer wieder zu Verwechslungen des Tamburins mit dem Tambourin [tambourin], der Provenzalischen Röhrentrommel. Dabei handelt es sich um eine einhändig gespielte Trommel aus besonders leichtem Holz, mit einer Zargenhöhe von ca. 70 cm und nur einem Fell, die z.B. in George Bizets „Arlésienne-Suite Nr. 2“ (und somit auch in der Ballett-Einlage in „Carmen“ vorkommt) und heute noch in der südfranzösischen Folklore verwendet wird.

Carl Maria von Weber verwendete das Tamburin in seiner Schauspielmusik zu „Preziosa“ (1821) zur Charakterisierung des Zigeunerlebens. Daneben stand und steht das Tamburin für die Folklore, das Tänzerische, und seit George Bizets „Carmen“ (1875) für spanisches Flair schlechthin. In dieser speziellen Funktion sowie zur Markierung des Rhythmus und zur Schaffung einer hellen Klangkulisse wird das Tamburin seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in vielen Orchesterwerken eingesetzt.


Mohrenpaeucklin

Tamburin ("Mohrenpäucklin", aus: Praetorius, Syntagma musicum, 1620)