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Trompete in C - Geschichte 1 – Frühzeit bis Barock

Mittelalter – von der geraden zur bügelförmigen Trompete

Die Entstehungsgeschichte der modernen Trompete in Europa lässt sich bis ins 11. Jahrhundert zurückverfolgen, als das Ahninstrument aller heutigen Blechblasinstrumente aufkam – die Busine (von römisch bucina). Sie tauchte zuerst in Süditalien auf und entwickelte zwei verschiedene Ausprägungen: die eine Art hatte ein konisches, gebogenes Rohr, die zweite ein zylindrisches gerades – aus der ersten Gruppe entwickelten sich die Horn-, aus der zweiten die Trompeteninstrumente.

Um 1400 vollzog sich innerhalb weniger Jahrzehnte der Übergang von der geraden über die s-förmige zur zweifach gewundenen Trompete. Diese Bügelform, die der Trompete bis heute erhalten geblieben ist, wurde durch das Einsetzen von halbkreisförmigen Rohrstücken erreicht. Das aufgesetzte Schallstück war zunächst ein nur schwach konischer Trichter. Der Tonumfang der Trompete umfasste noch im späten Mittelalter nur 4 Töne, nämlich die im tiefen Bereich liegenden Naturtöne 1–4.

Zugtrompete

Zugtrompete, Geert Jan van der Heide, Niederlande; Kopie im Stil des 15. Jahrhunderts (Musikinstrumentenmuseum Schloss Kremsegg, Austria, Sammlung Streitwieser)

Im 15. Jahrhundert war auch schon eine Zugtrompete in Gebrauch: Ihr Rohr war durch Ausziehen des Mundrohres verlängerbar, wodurch zusätzlich einige Töne außerhalb der Naturtonreihe erzeugt werden konnten.

Nachdem sich um 1250 die Posaune als Trompeteninstrument in der Tenor- und Basslage durchzusetzen anfing, erweiterte sich die Trompetenskala nach oben, und zwar durch Überblasen in immer höhere Naturtöne (Teiltöne).

Renaissance und Barock – Aufstieg und Hochblüte des Clarinblasens

Trompete in Brezelform in D

Trompete in Brezelform in D, John Webb, London 1989. Reproduktion der A. Schnitzer Trompete (Nürnberg 1581) des Kunsthistorischen Museums Wien (Musikinstrumentenmuseum Schloss Kremsegg, Austria, Sammlung Streitwieser)

Neben ihrer Funktion als Signalinstrument im Krieg gewann die Trompete seit dem ausgehenden Mittelalter immer größere Bedeutung als Herrschaftssymbol. In der Renaissance und im Barock wurde der Einsatz von Trompetern daher per Erlass reglementiert – die Beschäftigung von Trompetern blieb bis zum 18. Jahrhundert den Fürsten und Günstlingen des Kaisers vorbehalten. Die Zunft der Hof- und Feldtrompeter, die mit großen Privilegien ausgestattet war, hütete die Kunst des Trompetenspiels als Geheimnis und gab sie nur ausgesuchten ehrbaren und unbescholtenen jungen Männern weiter.

Die angehenden Hof- und Feldtrompeter mussten nach einer mehrjährigen Lehrzeit eine Prüfung ablegen, die höchste musikalische Anforderungen stellte. Bekamen sie danach eine Anstellung bei Hofe, durften sie sich Hoftrompeter nennen, hatten sie an einem Feldzug teilgenommen, so wurden sie Feldtrompeter.

Am kaiserlichen Hof in Wien waren um 1550 sechs Trompeter (und ein Pauker) beschäftigt, 1721 waren es bereits 16 (und zwei Pauker). An anderen Fürstenhöfen verhielt es sich ähnlich. Die Privilegien – ein Feldtrompeter war quasi einem Offizier gleichgestellt – brachten für die Trompeterzunft aber auch Pflichten und Restriktionen mit sich: so durfte die Trompete ausschließlich im Feld und bei offiziellen weltlichen Veranstaltungen eingesetzt werden. Später weitete sich ihr Einsatz auch auf kirchliche Bereiche aus, jedoch nur bei religiösen Zeremonien und nicht für vergnügliche Anlässe wie Hochzeiten oder Taufen.

Im 16. Jahrhundert stieg die Tonskala der Trompete bis zum 13. Naturton. Der nun schon sehr beachtliche Tonumfang veranlasste die Trompeter, sich auf eine bestimmte Tonlage innerhalb der Trompetenskala zu spezialisieren. Das höchste Register vom 8. Teilton aufwärts wurde Clarino genannt. Die Trompeten, auf denen nur das Clarino-Register gespielt wurde – die Clarino-Trompeten – wurden mit einem speziellen Clarin-Mundstück geblasen, einem enggebohrten Kesselmundstück mit scharfkantiger Verbrechung.

Für die Trompete hatten sich seit dem Mittelalter die verschiedensten Namen herausgebildet, wie Tuba, Tromba bzw. Trombetta, Trummet, Feldtrummet, Tarantara, Clarino bzw. Clareta u.a. Der heutige Name Trompete ist von der Bezeichnung Trombetta abgeleitet.

Parallel zur Trennung in „hohe“ und „tiefe“ Trompeter vollzog sich auch die Abgrenzung der Hof- von den Feldtrompetern. Im Laufe des 17. Jahrhunderts wurde die Ausführung der Prinzipale, der niedrigen Trompetenstimme, immer mehr den Feldtrompetern zugeordnet, während der weichere Stil des Clarinblasens für das Solospiel der Hoftrompeter stand.

Zugtrompete

Trompete in D, Webb, London (Kopie; Musikinstrumentenmuseum Schloss Kremsegg, Austria, Sammlung Streitwieser)

Ab dem Anfang des 17. Jahrhunderts fand die Trompete Eingang in die Kunstmusik – ein halbes Jahrhundert früher als das Horn. Dabei spielte sicher die Tatsache eine Rolle, dass die Trompete mit ihren zylinderförmigen Rohren im Vergleich zum konischen und kreisrund gebogenen Horn relativ leicht herzustellen war. Ab 1610 integrierten Hofkomponisten Trompetenstimmen in vokale Kompositionen, hauptsächlich in Messen (messe con trombe). Von 1620 an wurde die Trompete im Orchester immer beliebter (ihre Aufnahme ins Opernorchester erfolgte 1675 in Legrenzis Oper „Eteocle e Polinice“. In der Oper wurde die Trompete aber noch bis ins 19. Jahrhundert hauptsächlich zur Schaffung eines herrschaftlichen, feierlichen Kolorits eingesetzt). Die Verwendung der Trompete in der Kunstmusik änderte grundlegend die bisherige Spielpraxis des Musikers: er musste sich mit den Regeln der Kunstmusik vertraut machen und insbesondere Noten lesen lernen.

Im 17. Jahrhundert waren viele Trompeter noch nicht mit Noten vertraut. In der Regel wurde ein mehrstimmiger Satz von 5–7 Trompetern ausgeführt, von denen zwei des Notenlesens kundig waren, die anderen spielten ihre Stimmen nach Gehör dazu. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Trompeter zur damaligen Zeit den Umgang mit ihrem Instrument ungenügend beherrschten – die Anforderungen waren im Gegenteil sogar enorm hoch, da von einem Trompeter erwartet wurde, dass er sich dem jeweils neuesten Stil anpassen konnte und die jeweils modischsten Stücke zu seinem Repertoire zählten.

Die erste gedruckte Trompetenschule aus 1638 ("Modo per imperare a sonare di tromba...") stammt von G. Fantini, dem wohl berühmtesten Trompeter seiner Zeit.

Bachtrompete

Bachtrompete in F, Mainz, Deutschland, Gebrüder Alexander, vielleicht 1952. Speziell für die Vorführung von J.S. Bachs Musik 1934 entworfen (Musikinstrumentenmuseum Schloss Kremsegg, Austria, Sammlung Streitwieser)

Das Clarinblasen entwickelte sich im 17. und 18. Jahrhundert zu einer höchst virtuosen Kunst. Die Clarintöne wurden von den Clarinbläsern immer weiter in die Höhe getrieben, was die Komponisten veranlasste, immer höhere Töne der Naturtonskala vorzuschreiben. Die bekanntesten Komponisten barocker Clarin-Trompetenparte sind Bach und Händel.

Als Zentrum des barocken Trompetenspiels galt Wien, wo nebst anderen Hochburgen wie Leizpig, Dresden, Kremsier, Bologna und London unzählige Trompetenkonzerte für Clarintrompeter geschrieben wurden. Speziell für den wohl berühmtesten barocken Trompeter Johann Heinisch, der von 1727 bis 1750 am Wiener Hof wirkte, und eine Trompeterschar um ihn, wurden Konzerte geschrieben, in denen als höchster Ton der 24. (!) Naturton verlangt wurde.

Der höchste jemals in einem Trompetenkonzert vorgeschriebene Ton ist ein klingendes a3 im 1. Trompetenkonzert in D-Dur von Michael Haydn, dem jüngeren Bruder Joseph Haydns – auf der barocken D-Trompete war dies der 24. Naturton. Michael Haydns 2. Trompetenkonzert in C-Dur gilt als das virtuoseste aller Trompetenstücke (es geht bis zum 20. Naturton).

Im Vergleich dazu reicht die Skala der modernen Trompete bis zum 8. Naturton. Dieser entspricht klanglich dem 16. Naturton der barocken Naturtrompete: Die Grundstimmung der modernen Trompete ist bedingt durch die kürzere Rohrlänge eine Oktave höher.

Das hohe Ansehen der Clarintrompete erklärt sich hauptsächlich daraus, dass die Musiker des Barock sich sehr stark an der menschlichen Stimme orientierten. Da die Blasinstrumente in der Art der Tonerzeugung der Singstimme näher kamen als die Streichinstrumente, wurden sie diesen vorgezogen.

Neben den Werken für das Clarinregister entstanden im Barock auch unzählige Orchesterwerke, die nur die Naturtöne Nr. 2–12 (notiert c–g2) verlangten. Barocke Trompeten wurden hauptsächlich in den Stimmungen tief B, C und D vorgeschrieben. Für die B- und D-Stimmungen verwendete man die entsprechenden Naturtrompeten in B und D, die C-Stimmung erhielt man durch Herabstimmen der D-Naturtrompete mittels Aufsteckbogen. Zusätzlich wurden ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Trompeten in tief F und tief G gebaut (diese wurden durch Aufsteckbögen auf E, Es, D, C und B vertieft).