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Röhrenglocken
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Röhrenglocken - Glocken und Röhrenglocken – ein Vergleich

Besonderheiten im Klangaufbau und in der Wahrnehmung von Glockenklängen

Wie bei allen Idiophonen (Selbstklingern) ist der Glockenklang aus zwei Komponenten zusammengesetzt: dem Schlagton und dem Nachklang. Der Klangaufbau der „echten“ Glocken (Kirchenglocken) ist besonders kompliziert, er besteht aus einem Gemisch von vielen Einzeltönen, die in verschiedener Höhe, mit verschiedener Lautstärke und verschieden langer Nachklangzeit erklingen. Man spricht von einem Tongemisch . Viele dieser Einzeltöne (Teiltöne) sind unharmonische Reihen, d.h. sie stehen in keinem ganzzahligen Verhältnis zum Grundton. Dadurch entsteht im Ohr ein labiler Tonhöheneindruck, d.h. das Ohr hat Probleme, von mehreren Tonhöhenkandidaten einen eindeutig zu identifizieren. Darüber hinaus kann die Intensität der Obertöne die des Grundtones um vieles übersteigen.

In der Wahrnehmung eines Glockenklanges dominieren zwei verschiedene Eindrücke: der Schlagton, ein kurzer, kräftiger, metallischer Klangeindruck in nur einer Tonhöhe; und der Nachklang, lange nachklingende Töne in unterschiedlicher Tonhöhe (Summtöne). Die Tonhöhe der Glocke wird nach dem Schlagton bestimmt, der eine Oktave höher ist als der Grundton. Der Grundton gehört neben der Dur- oder Mollterz zu den dominierenden Klangeindrücken des Nachklangs. Deswegen spricht man auch von Mollterz- oder Durterzglocken. Mollterzglocken kommen häufiger vor.

Im Unterschied dazu ist bei Musikinstrumenten die wahrgenommene Tonhöhe eindeutig und entspricht meistens die Frequenz des tiefsten (= 1.) Teiltones.

Glocken nehmen also genaugenommen eine Zwischenstellung ein zwischen den Schlaginstrumenten mit bestimmter Tonhöhe und jenen mit unbestimmter Tonhöhe.

Röhrenglocken

Diese Besonderheiten des Glockenklanges gelten nur zum Teil für die Röhrenglocken, deren Klangaufbau anders ist als beim Vorbild der Kirchenglocken. Die Unterschiede ergeben sich aus der Tatsache, dass Röhrenglocken immer auch nach musikalischen Erfordernissen gebaut wurden. Zwei Tendenzen im Instrumentenbau lassen sich feststellen: entweder man versuchte, dem Obertonreichtum der Kirchenglocken nahe zu kommen, oder man baute Röhren mit einer klaren Tonhöhe im musikalischen Sinn. Der zweite Weg wurde beschritten, um das Röhrenglockenspiel als eigenständiges Musikinstrument im Orchester zu etablieren.

Ein Hauptunterschied in der Bauweise von Glocken und Röhrenglocken liegt darin, dass Röhrenglocken oben und unten identisch sind. Dies fördert einen relativ harmonischen Teiltonaufbau, der für musikalische Zwecke geeignet ist und die Klangverbindung mit den anderen Orchesterinstrumenten fördert. Kirchenglocken enthalten viele unharmonische Teiltöne.

Schlagton und Nachklang

Der Schlagton ist ein kurzer, kräftiger, metallischer Klangeindruck in nur einer Tonhöhe, und zwar eine Oktave höher als der Grundton; der Nachklang, ein lange ertönender obertonreicher Klang, der von zwei Tonhöhen dominiert wird, und zwar vom Schlagton und vom Grundton, der eine Oktave tiefer klingt. Dies führte zu Meinungsverschiedenheiten, in welcher Oktave die Röhrenglocken nun wirklich klingen. Es gibt Personen, die den Nachklang (= eine Oktave tiefer als Schlagton) für die eigentliche Tonhöhe halten. Forschungen haben ergeben, dass der Schlagton (= eine Oktave höher als der Grundton im Nachklang) als die eigentliche Tonhöhe gilt. Die Schlagtonhöhen (= auch notierten Tonhöhen) des Röhrenglockenspiels reichen somit vom c1–f2 bzw. von f–f2 beim zweioktavigen Instrument.

Röhrenglocken haben (wie alle Idiophone aus Metall = Metallophone) eine geringe Dämpfung, d. h. der Nachklang ist entsprechend lang.

Im Unterschied zu den Glocken (Kirchenglocken), wo die Terz im Nachklang eine dominierende Rolle einnimmt, sind Röhrenglocken so gebaut, dass neben dem Grundton (eine Oktave unter dem Schlagton) auch die Quint (über dem Schlagton) vorhanden ist. Dies fördert eine musikalische Verwendung zusammen mit anderen Musikinstrumenten.