AUDIO
  • Ring Christmas Bells
  • A Cencerros Moment

Open External Player

Röhrenglocken
ist enthalten in den Produkten:


Röhrenglocken - Geschichte

Die Frühzeit der Glocken

Asien ist die Heimat der gegossenen Glocke. Die Chinesen haben bereits vor über 4000 Jahren Glocken und Glöckchen im Orchester gekannt. In der Provinz Hopeh in China hat man in einem 2400 Jahre alten Graben 65 verschieden große Bronzeglocken gefunden (zwischen 12 und 150 cm hoch). Diese Glocken wiesen noch nicht die heute übliche runde Form auf. Über Indien haben sich die Glocken in den Nahen Osten ausgebreitet. Archäologische Funde assyrischen Ursprungs reichen bis zu 3000 Jahre zurück. Bereits im 2. vorchristlichen Jahrtausend soll es Bronzeglocken gegeben haben. Im 9. Jahrhundert v. Chr. wurden in Mesopotamien und Ägypten die ersten größeren Bronzeglocken gegossen. In den frühen Kulturen wurde dem Glockenklang von den Menschen eine unheilabwehrende Wirkung zugeschrieben. Diese Bedeutung und die als Signalinstrument ist den Glocken bis heute geblieben.

Europa

Nach Südeuropa kamen die Glocken entlang des Mittelmeers. Im antiken Rom wurden Glöckchen (Tintinabulum) vor allem als Signalinstrumente verwendet, z. B. in den römischen Bädern. Etwa um 400 n. Chr. soll Bischof Paulinus von Nola die ersten größeren Glocken mit einer läutbaren Form zugelassen haben.

Ins nördliche Europa kam die Kunst des Glockengießens infolge der Ausbreitung der christlichen Religion, und zwar durch die Kelten zuerst auf die Britischen Inseln. Koptische Mönche in Ägypten waren die ersten innerhalb der jungen christlichen Religion, die bereits lange vor dem Jahr 500 n. Chr. die Kunst des Glockengießens beherrschten. Von ihnen haben es irische Mönche gelernt, so dass es bereits im 5. Jahrhundert unter den irischen Mönchen bedeutende Glockengießer gab. Einer von ihnen, der hl. Forkernus, gest. etwa 490 n. Chr., war der bedeutendste Glockengießer der Zeit, er ist der Patron der Glockengießer. Erste viel später ging die Aufgabe des Glockengießens von den Mönchen auf professionelle Gießer über. Ab dem 6. Jahrhundert hat sich der Brauch des Läutens in eigens dafür gebauten Türmen ausgebreitet.

Mittelalter und Neuzeit

Im 9. Jahrhundert waren halbkugelige „birnenförmige“ Glocken sehr verbreitet, im 11. Jahrhundert „bienenkorbförmige“ Glocken, im 12. Jahrhundert „zuckerhutförmige“. Im 13. Jahrhundert schließlich wurde die Kunst des Glockengießens zu höchster Vollendung geführt, indem die „gotische“ Glocke entwickelt wurde, deren Form auf die Klangschönheit der Glocke hinzielt. Gleichzeitig begann man, an der Außenseite der Glocken Ornamente, Bandverzierungen, bildliche Darstellungen und den Namen des Glockengießers anzubringen. Seit der Entwicklung der „gotischen“ Glocke hat es keine Qualitätsverbesserung mehr gegeben. Die Kunst des Gießens wurde in den Gießereien als streng gehütetes Betriebsgeheimnis von einer Generation auf die nächste vererbt.

Im 18. und 19. Jahrhundert wurden die größten Glocken gegossen, die ein Gewicht von über 20 Tonnen erreichen (die „Pummerin“ im Wiener Stephansdom ist 20 Tonnen schwer und hat den Ton C). Die größte Glocke, die je gegossen wurde, ist die „Zarenglocke“ mit einem Gewicht von 198 Tonnen und einer Höhe von 6,14 m. Sie wurde nach dem Guss im Jahre 1733 schwer beschädigt (ein Stück von 11 Tonnen ist herausgebrochen) und nie zum Läuten gebracht. Sie ist heute als Schauobjekt im Moskauer Kreml zu bewundern.

Glocken im Orchester

Im 18. Jahrhundert war der Einsatz von Glocken im Orchester äußerst selten. Zum ersten Mal sollen Glocken von J. S. Bach verwendet worden sein. Vor allem in dramatischen Kontexten in der Oper wurde der Glockenklang immer wieder gebraucht. Da die Verwendung von Kirchenglocken jedoch wegen der Größe und des Gewichts nicht infrage kommen konnte, hat man Ersatzinstrumente gebaut. Eine Glocke mit dem Ton C wiegt 20 Tonnen. In einigen großen Theatern war ein Satz von Kirchenglocken fest installiert wie z.B. im Moskauer Bolschoi Theater, in der Grand Operà in Paris und in der Dresdner Oper.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts hat es zahlreiche Versuche gegeben, den Glockenklang durch leichter handhabbare Ersatzinstrumente für das Opern- und Symphonieorchester nutzbar zu machen. Erfolgreich waren die Versuche, den Klang mittels Objekten aus verschiedenen Metallen nachzuahmen, wobei mit schwingenden Platten, Stäben, Scheiben, Gefäßen experimentiert wurde. Auch lange, dick umwickelte und mit Resonator verstärkte Klaviersaiten kamen zum Einsatz. Bayreuth (für Richard Wagners „Parzival“) und Covent Garden waren Zentren dieser Versuche.

Ziel dieser Versuche war die Integration von zwei Aspekten: einerseits wollte man den obertonreichen Glockenklang möglichst originalgetreu nachahmen, andererseits einen Klang bestimmter Tonhöhe erreichen.

Röhrenglocken

Röhrenglocken tauchen zum ersten Mal zwischen 1860 und 1870 in Paris auf.

Der Engländer John Harrington erhielt ein Patent für Röhrenglocken aus Bronze. Arthur Sullivan war vielleicht der erste Komponist, der 1886 Röhrenglocken im Orchester eingesetzt hat.
Für Effekte sind Röhrenglocken im frühen 20. Jahrhundert auch in Kino-Orgeln eingebaut worden.

Im modernen Orchester

Röhrenglocken wurden zuerst als Ersatz für Kirchenglocken bei Giuseppe Verdi in seinen Opern „Der Troubadour“ (1853) und „Ein Maskenball“ (1859) und in Giacomo Puccinis „Tosca“ eingesetzt.

In England und Amerika hat man zuerst Röhrenglocken auf einem Gestell wie bei einem Klavier in chromatischer Reihenfolge angeordnet und somit das Röhrenglockenspiel geschaffen. Durch diese Verbesserung wurden dem Instrument neue Spiel- und Einsatzmöglichkeiten eröffnet, die von den KomponistInnen besonders in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch weiter ausgebaut wurden.

Hatten Röhrenglocken zuerst in Opern die Aufgabe, Glocken nachzuahmen, so wurden sie in modernerer Musik auch ihrer Klangfarbe wegen zunehmend geschätzt. Für Melodiebildung sind Röhrenglocken nur für kurze Melodieformeln, die Ton für Ton abgedämpft werden, verwendet worden. Auch elektroakustische Röhrenglocken werden immer öfter eingesetzt.