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Vibraphon
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Vibraphon - Geschichte

Vox humana: Menschliche Vibrationen

Die Entstehungsgeschichte dieses jungen Instrumentes spielte sich zur Gänze in den USA ab, und zwar zur Zeit des Ersten Weltkrieges. 1916 begann der Instrumentenbauer Hermann Winterhoff im Auftrag der Firma Leedy in Indianapolis, Vibrato-Effekte mit Hilfe einer motorbetriebenen Mechanik zu erzielen. Die Absicht dahinter war, einen vox humana-Klang zu erreichen, eine Art menschliche Stimme. Seine ersten Experimente vollzog er an einem dreioktavigen Marimbaphon mit Klangstäben aus Stahl, einem damals neuen Instrument, das in Varieté-Theatern verwendet wurde. Er baute einen Motor ein, der über eine Welle mit den Deckscheiben verbunden war, die sich am oberen Rand der Resonatoren befanden. Damit gelang es ihm bereits, das typische Pulsieren des Tones zu erzeugen, den Vibrato-Effekt, der dem Instrument den Namen Vibraphon einbrachte – vorerst. Erste Radioaufnahmen ab 1924 brachten den Sound unter die Leute, Musiker begannen sich für das neue Instrument zu interessieren.

Vibraphon, Vibraharp und Vibes

1922 begann in Chicago die Firma Deagan ihre Version des Vibraphons unter dem Namen Vibraharp und versehen mit den Attributen einer Neuentwicklung zu vermarkten. Deagan baute bereits seit einem halben Jahrhundert Stabspiele sowie Orgelinstrumente mit Schlagwerk und war auch der Erbauer des von der Firma Leedy zuvor umgebauten Stahl-Marimbaphons. Das sogenannte „Modell 145“ – mit 1,2 cm dicken Klangplatten aus Aluminium, die von einer Schnur gehalten wurden, mit temperierter Stimmung und einem Umfang von f–f3, mit Dämpferpedal und veränderbarer Vibrationsgeschwindigkeit – bot bereits alle Eigenschaften eines voll ausgereiften Vibraphons und wurde Vorbild für alle späteren Instrumente. Die wesentlichen Merkmale des Vibraphons haben sich seit etwa 1927 nicht geändert, Adaptionen betrafen eher die Größe und das Gewicht der Instrumente. Verschieden große Typen wurden angeboten, kleinere wegen der leichteren Transportierbarkeit. Rasch verbreitete sich das neue Instrument, das von Bandleadern und Schlagzeugern immer öfter als führende Stimme in ihren Ensembles eingesetzt wurde.

Nachdem die Firma Leedy mit dem Bau von Vibraphonen fortfuhr, gab es beinahe identische Instrumente mit verschiedenen Namen auf dem Markt: Vibraphone und Vibraharp, was zu einiger Verwirrung führte. Schließlich war unter professionellen Musikern auch der Name Vibes für das Instrument und Vibist für den Spieler geläufig. Damit die Instrumente für verschiedene Aufgaben geeignet waren, entstanden allerlei Typen mit drei, dreieinhalb und vier Oktaven Umfang. Gleichzeitig wurden Luxusmodelle und portable Modelle angeboten. Die Vielfalt des Angebots bezog sich auch auf die Metalllegierungen der Klangstäbe: Aluminium, Messing, Lack und Gold waren zu finden. Ob diese Vielfalt eher klanglichen oder optischen Gründen zu verdanken war, ist schwer festzustellen, es dürfte beides zutreffen.

Elektronische Vibrationen

In den 60er Jahren begann man mit elektronischen Verstärkersystemen zu experimentieren, die sowohl die Funktion der Resonanzröhren verbessern und als den Vibrationsmechanismus ersetzen sollten. Zu diesem Zweck wurden Mikrophone in jeden Resonator installiert, später auch Magnetstreifen. Das Problem bestand darin, einen reinen Klang, der beliebig zu verstärken war, herauszubekommen. Heute ist noch eine verbesserte Weiterentwicklung auf rein elektronischer Basis zu finden, die einen piezoelektrischen Chip verwendet, der an der Unterseite jedes Klangstabes befestigt ist und mit einer Kontroll- und Verstärkereinheit verbunden ist. Jeder Druck auf den Klangstab wird als elektrisches Signal an die Kontrolleinheit übertragen, wo der Spieler das Volumen und die Geschwindigkeit des Vibrato regeln kann.

Jazz

Schon sehr früh war der 1909 geborene Lionel Hampton in Kalifornien als junger Schlagzeuger einer Band mit einer Vibraharp unterwegs, als ihn der große Louis Armstrong (1898–1971) hörte und vom Klang des Instruments begeistert war. Diese  Begeisterung mündete in einer gemeinsamen Aufnahme 1931, vermutlich die erste Aufnahme des Ausnahmevibraphonisten Lionel Hampton. Der Siegeszug des Vibraphons in der Jazzmusik führte weiter zum Bandleader Benny Goodmann (1909–1986), der den Sound seines Orchesters sogleich mit den vibrierenden Klängen des Vibraphons bereicherte. Orchester, Big-bands, Jazzsextette, Jazzquartette, in allen Besetzungen zog das neue Instrument seine sensitiven melodischen Linien und seine nachklingenden Harmonien. Das Vibraphon hat im Jazz als Soloinstrument (Lionel Hampton, Gary Burton) sowie als Band- oder Bigbandinstrument enorme Bedeutung.

Im Orchester

Seit ca. 1933 wird das Vibraphon, wenn auch selten, im Orchester vorgeschrieben, seit 1945 häufiger. Film- und Theaterkomponisten waren die ersten, die den neuen Sound in das Orchester aufnahmen. In Aufnahmestudios gehörte das Vibraphon zur Grundausstattung. In der modernen Ensemble- und Orchestermusik gewann das Vibraphon ständig an Bedeutung, erreichte aber nie den Rang anderer Stabspiele wie Xylophon, Glockenspiel oder Marimbaphon. In Ensembles wird es seit den 60er Jahren öfter vorgeschrieben als im Orchester.