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Viola - Geschichte

Die Idee vom „dunklen“ Klang

Die Geschichte der Viola ist eng an die Entwicklung der übrigen Instrumente der Violinfamilie gebunden. Zwischen 1530 und 1550 wurden in Norditalien die ersten Instrumente der Violinfamilie gebaut. Es kann angenommen werden, dass sowohl das Alt-/Tenor- als auch das Bassinstrument nur kurz nach dem Sopraninstrument entwickelt wurden. Städte wie Mailand, Brescia, Cremona und Venedig wurden schon damals mit „klingenden“ Namen wie Andrea und Nicola Amati, Gasparo da Salò, Andrea Guarnieri und Antonio Stradivari in Verbindung gebracht.

Die Viola ist das namengebende Instrument aller Streichinstrumente und begründete im 16. und 17. Jahrhundert zwei Familien von Streichinstrumenten: die viole da braccio und die viole da gamba. Mit den Bezeichnungen da braccio und da gamba sind zwei Bedeutungen verknüpft. Auf der einen Seite wird damit die Spielhaltung beschrieben: Da braccio bedeutet im Italienischen „auf dem Arm gespielt“ und meint die horizontale Spielhaltung. Da gamba bedeutet „am Bein gespielt“ und meint die vertikale Spielhaltung.

Auf der anderen Seite werden damit auch die bautechnischen Besonderheiten der beiden Instrumentenfamilien beschrieben: Die viole da braccio, aus denen sich die Mitglieder der Violinfamilie entwickelten, hatten niedrige Zargen, einen gewölbten Boden, Schalllöcher in F-Form, ein Griffbrett ohne Bünde, einen vom Korpus abgesetzten Hals mit Schnecke und 4 Saiten, die auf einem gewölbten Steg lagen, so dass sie einzeln gestrichen werden konnten. Die viole da gamba, die Gamben, hatten hohe Zargen, eine gewölbte Decke, einen flachen Boden und Schalllöcher in C- oder F-Form. Der Korpus war zum Hals hinaufgestreckt, das Griffbrett mit 7 Bünden versehen, und die 5 bis 7 Saiten lagen auf einem flachen Steg auf, so dass der Bogen gleichzeitig mehr als zwei benachbarte Saiten erfassen konnte.
Das Violoncello gehört bautechnisch und klanglich zur Violinfamilie, wird aber da gamba gespielt.

Die Aufspaltung der Mittellage

Im 16. Jahrhundert war es üblich, dass Alt- und Tenorinstrumente mit unterschiedlicher Größe, aber identischer Stimmung gebaut wurden. In der Regel galt für die Alt- und die Tenorviola folgende Stimmung: c, g, d1, a1 – was der Stimmung der heutigen Viola entspricht. Diese Stimmung war eine Quint tiefer als die Sopranstimmung (g, d1, a1, e2) und eine Doppelquint höher als die Bassstimmung (B1, F, c, g). Der große Abstand zwischen der Alt-/Tenorstimmung und der Bassstimmung führte in der Folge zur Konstruktion größerer Instrumente in wirklicher Tenorstimmung (F, c, g, d1). Gleichzeitig wurden die Tenorviolen in „Altstimmung“ weiter verwendet.

Im Frankreich des 16. und 17. Jahrhunderts war der fünfstimmige Streichersatz die Norm. Die Mittellage wurde von drei Violas gleicher Stimmung, aber unterschiedlicher Größe realisiert (cinquième, haute-contre, taille). Die 24 Violons du roi begründeten den fünfstimmigen Streichersatz.

Es gab also drei Arten von Instrumenten: Die Altiviolas in Altstimmung mit einer Korpuslänge von 40–42 cm, was der heutigen Norm entspricht. Die gleich gestimmten Tenorviolas mit 42–45 cm Länge und relativ kurzem Hals sowie die in F gestimmten „echten“ Tenorinstrumente. Die Überlappung im Mittelbereich bleibt ein besonderes Kennzeichen des damaligen Streichorchesterklanges und hat in der folgenden Epoche zu einer anderen Aufteilung der Kompetenzen geführt.

Die Klärung der Kompetenzen

Im Laufe des 17. Jahrhunderts änderten sich die Anforderungen an die Klangeigenschaften der Streichinstrumente. Die Ausbreitung der Barockoper blieb nicht ohne Konsequenzen für die Entwicklung des Orchesters: Die Entfaltung barocker Klangpracht in größeren Räumen ließ die klangkräftigen und brillanten Violininstrumente gegenüber den weicheren und leiseren Gamben endgültig als Sieger hervorgehen.

Die Satzweise entwickelte sich von der Fünfstimmigkeit zum vierstimmigen Standardsatz mit zwei Violinen, Alt-Viola und Violoncello als Bassinstrument. Diese Entwicklung, die um 1750 abgeschlossen war, ließ die Tenor-Viola, die zwar einen vollen Klang hatte, aber nicht sehr beweglich war, endgültig von der Bühne der Musikgeschichte abtreten. Als neuer Akteur im unteren Mittelbereich (Tenorbereich) etablierte sich Mitte des 18. Jahrhunderts das eigentliche Bassinstrument der Violinfamilie, das Violoncello. Durch die Technik des Daumenaufsatzes gelang es dem Violoncello, weit in die Tenorlage (sogar in die Altlage) vorzudringen und somit die „Lücke“, die die Tenor-Viola hinterlassen hatte, zu schließen. Die neu aufgeteilte Mittellage erhält ihren bis in die Gegenwart verbindlichen Überlappungsbereich.

Ab 1780 erschienen die ersten Lehrwerke für Viola, die für geübte Geiger geschrieben wurden, was die spieltechnische Nähe beider Instrumente zueinander demonstriert.

Modernisierung um 1800

Durch die Verlagerung der Musikaufführungen in Konzerthallen sowie durch die Verstärkung des Bogens durch François Tourte (1747–1835) wurden die Instrumente der Violinfamilie – und mit ihnen die Viola – zu Beginn des 19. Jahrhunderts einer Reihe von bautechnischen Veränderungen unterzogen: Die Saiten wurden schwerer und die Saitenspannung erhöht, um einen tragfähigeren Ton zu erzeugen, der Winkel des Halses zum Korpus leicht nach hinten gekippt, der verlängerte Hals gleichmäßig dick gebaut, um das Lagenspiel der linken Hand zu erleichtern. Gleichzeitig wurden Korpus, Steg und Bassbalken verstärkt.

Volle Gleichberechtigung

Erst Ende des 19. Jahrhunderts erlangte die Viola volle Gleichberechtigung gegenüber der Violine. Die Problematik  um Größe und Spielbarkeit der Viola – kleinere Instrumente sind leichter spielbar, aber ihr Klang ist schwächer, größere Instrumente klingen zwar stärker, sind aber schwer zu spielen – zeigen einige Konstruktionsversuche, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum Bau verschiedener Typen führte. Das Motiv war, möglichst klangstarke Instrumente zu bekommen. 1875 baute Hermann Ritter ein Viola alta genanntes Instrument mit 48 cm langem Korpus, das zwar von Richard Wagner und Richard Strauss seines kräftigen Klanges wegen im Orchester geschätzt wurde, das aber Musiker wegen seiner Größe vor spieltechnische Probleme stellte – mit negativen Folgen für deren Gesundheit. Mitte der 1930er Jahre konstruierte der Engländer Lionel Tertis ein Modell mit 43 cm Korpuslänge, das einen gelungenen Kompromiss zwischen Größe (= Klangstärke) und Spielbarkeit darstellte. Sein voller, tiefer und warmer Ton war beeindruckend. Grundsätzlich werden größere Instrumente (ca. 43 cm) von professionellen Musikern verwendet, während kleinere Modelle (ca. 40 cm) für Amateurmusiker gedacht sind.