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Violine - Geschichte

Streichinstrumente im Mittelalter

Die Ursprünge des Streichinstrumentenspiels (die Saiten werden mit einem Bogen zum Schwingen gebracht) sind wahrscheinlich im 9. Jahrhundert n. Chr. in Mittelasien zu suchen, haben sich aber vermutlich unabhängig voneinander an mehreren Orten der Erde entwickelt. Das Zupfen der Saiten ist mit Sicherheit die ältere Spielweise. Erste Streichinstrumente sind im europäischen Raum in zwei Urformen anzutreffen und ab dem 10. Jahrhundert nachweisbar.

Vom spanischen Raum aus verbreitete sich eine dieser Urformen, das vom arabischen rabab abstammende Rebec (Rubebe, Lira, Gigue). Dabei handelte es sich um ein birnenförmiges Instrument mit 1–3 Saiten, dessen Korpus und Hals aus einem Stück Holz herausgeschnitzt waren, ohne Zargen und Bünde. Der Hals war nicht vom Korpus abgesetzt und trug Seitenwirbel. An der Oberseite war eine flache Decke aufgeleimt, über der sich das Griffbrett befand. Dreisaitige Instrumente waren in Quinten gestimmt (g, d1, a1). Im Deutschen wird das Rebec auch als Geige bezeichnet. Das Rebec war mit der Lyra verwandt, einem Volksinstrument, das sich vom byzantinischen Raum aus verbreitete. Beide Instrumente stellen denselben Grundtypus dar und wurden meist stehend, an Brust oder Schulter gestützt, gespielt.

Die zweite Urform ist die Fidel (lat. fidicula, franz. vielle), ein in ganz Europa verbreitetes Instrument, das in einer Vielzahl von Formen und Gattungen existierte. Die ein- bis sechssaitige Fidel hatte einen flachen, ovalen Resonanzkörper, der in Schachtelbauweise aus mehreren Holzteilen hergestellt wurde, d.h. mit Zargen, kleinen seitlichen Vertiefungen und einem abgesetzten Hals. Die Decke war leicht gewölbt, Bünde waren meist nicht vorhanden. Ein Charakteristikum der Fidel war das runde Loch in der Mitte, das sich später in zwei sichelförmige Schlitze verwandelte. Ihre weite Verbreitung im Mittelalter verdankt die Fidel ihrem großen Tonumfang und ihrer Beweglichkeit. Das Instrument wurde meist auf der linken Schulter gehalten, da es oft zur Begleitung des eigenen Gesanges gespielt wurde. Bordunsaiten waren keine Seltenheit. Geprägt von der Entwicklung der späteren Violine konnte sich die Fidel bis ins 16.Jahrhundert halten. In Volkskulturen haben sich verschiedene Formen der Fidel bis in die Gegenwart behauptet.

Instrumentenfamilien der Renaissance

Noch vor 1500 führte die Vereinigung von Merkmalen mittelalterlicher Saiteninstrumente zur Bildung von zwei Instrumentenfamilien, die sich in ihrer Bauweise, Spielhaltung, Funktion und klanglich klar voneinander unterschieden: die viola da gamba (ital. gamba = Fuß), die zwischen den Knien gehalten wurde, und die viola da braccio (ital. braccio = Arm), die mit dem linken Arm auf Schulterhöhe gespielt wurde.

Die viola da gamba oder Gambe war mit besonders hohen Zargen, einer gewölbten Decke, einem flachen Boden und mit Schalllöchern in C- oder F-Form ausgestattet. Der Korpus war zum Hals hinaufgestreckt, das Griffbrett mit 7 Bünden versehen, die 5 bis 7 Saiten lagen auf einem flachen Steg auf, so dass der Bogen gleichzeitig mehr als zwei benachbarte Saiten erfassen konnte. Die mittleren Saiten konnten nicht einzeln gestrichen werden. Der dunkle und mild-weiche Klang prädestinierte diese Instrumente für akkordisches Spiel.

Dagegen hatte der Korpus der viola da braccio niedere Zargen, einen gewölbten Boden, Schalllöcher in F-Form, ein Griffbrett ohne Bünde, einen vom Korpus abgesetzten Hals mit Schnecke und 4 Saiten, die auf einem gewölbten Steg lagen, so dass sie einzeln gestrichen werden konnten. Eine tiefe Einbuchtung in der Mitte des Korpus erleichterte das Ansetzen des Bogens an den äußeren Saiten. Der Klang der viola da braccio-Instrumente war heller, strahlender und stärker und eignete sich besonders für die Zeichnung von Melodielinien.

Die siebensaitige lira da braccio spielte als Begleitinstrument von Gesangsdarbietungen im 16. Jahrhundert eine Rolle. Sie hatte einen flachen Korpus mit flachem Steg.

Die Entstehung der Violine in Oberitalien

Zwischen 1520 und 1550 entwickelte sich aus der viola da braccio-Familie die Violine. Zentren dieser Entwicklung waren die oberitalienischen Städte Mailand, Brescia, Cremona und Venedig. Violine (von ital. violino) ist vom Wort viola abgeleitet und hatte allgemein die Bedeutung „kleines Streichinstrument“ und nicht „kleine Bratsche“. Die frühesten erhaltenen Violinen stammen vom Cremoneser Geigenbauer Andrea Amati (1500–1576) und sind aus dem Jahr 1542. Diese Instrumente hatten noch 3 Saiten: g, d1, a1. Erst ab 1550 baute Amati vermutlich die ersten 4-saitigen Violinen. Andrea Amati dürfte also als Erster Instrumente gebaut haben, die aufgrund ihrer Merkmale den Namen Violine zu Recht trugen.

Der Erfolg der Violine in Italien war enorm: Sie verdängte alle anderen „kleinen Streichinstrumente“ in Sopranlage, die in der da braccio-Haltung (Armhaltung) gespielt wurden, sehr schnell. Wie kein anderes Instrument stand die Violine, deren größte bauliche Veränderungen vor 1650 erfolgten, bald im Zentrum der musikalischen Praxis, da ihr eine unbegrenzte Auswahl an Ausdrucksmöglichkeiten offen stand. In der Folge ist die Entwicklung der abendländischen Musikgeschichte eng an die Weiterentwicklung der Spielmöglichkeiten auf der Violine gebunden. Während Violinen – und später Instrumente der Violinfamilie – seit ihrer Erfindung von Berufsmusikern gespielt wurden, hielten sich die Gamben als Standesinstrument gebildeter Laien, wie Adelige und Kaufleute. Italienische Spieler verbreiteten das neue Instrument an den europäischen Höfen.

Die goldene Periode von 1600–1750

In der Folge entstanden die berühmtesten Geigenbauschulen: Die Cremoneser Schule – von den Söhnen Amatis bis Nicola Amati (1596–1684) fortgeführt. Die Brescianer Schule fand ihre Meister in Gasparo da Salò (1540–1609) und seinem Schüler Giovanni Paolo Maggini (1580–1632). Die Cremoneser Schule führte von Nicola Amatis Schüler Andrea Guarnieri (1626–1698) zu Antonio Stradivari (1644–1737), der vermutlich ein Schüler Guarnieris war. Antonio Stradivari, der in seinem Leben an die Tausend Instrumente fertigte – angeblich sind gegenwärtig 600 „Stradivaris“ erhalten –, wird bis heute als Höhepunkt der Geigenbaukunst schlechthin betrachtet. Der helle, glänzende und brillante Klang seiner Instrumente wurde trotz des Einsatzes modernster wissenschaftlicher Methoden bis in die Gegenwart nicht erreicht. Die Maße seines Geigenmodells wurden für spätere Generationen verbindlich.

Giuseppe Guarneri, „del Gesù” (1698–1744), baute Instrumente, die ihres tragfähigen Tons wegen geschätzt wurden. Niccolò Paganini (1782–1840), der virtuoseste Geiger aller Zeiten, spielte ein Instrument von Guarneri „del Gesù“.

Nördlich der Alpen wurde die Geigenbauschule von Jacob Stainer (1621–1683) in Absam in Tirol sehr bedeutend. Johann Sebastian Bach (1685–1750) spielte eine Violine von Stainer. Wolfgang Amadeus Mozart spielte auf einem Instrument von Ägidius Klotz, einem Geigenbauer aus Mittenwald.

In Frankreich ist Nicholas Médart (1628–1672) zu erwähnen, in England Barak Norman (1678–1740). In Wien waren Daniel und Joseph Stadlmann (1720–1781) von Bedeutung.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts verfiel die italienische Geigenbauerkunst, da man daran ging, den Produktionsprozess in einer Art Arbeitsteilung zu gestalten. Neue Materialien, z.B. schneller trocknende Lacke, kamen der neuen Arbeitsweise entgegen, Geigenfabriken entstanden. Die führenden Geigenbauer der nächsten Epoche sind in Frankreich zu finden, z.B. Nicolas Lupot (1758–1824).

Modernisierung um 1800

Die in Folge der Französischen Revolution auftretenden sozialen Umwälzungen hatten auch tiefgreifende Änderungen des Musiklebens zur Folge: Das Bürgertum wurde an Stelle der Aristokraten zum Träger musikalischer Veranstaltungen, das Konzertleben etablierte sich und spielte sich in immer größeren Hallen ab, die lautere Instrumente und stärkere Bögen erforderten. Um dieser Entwicklung gerecht zu werden, sahen sich die Geigenbauer zu Änderungen gezwungen, die um ca. 1800 die moderne Violine hervorbrachten, wobei die alten Instrumente – den neuen Erfordernissen entsprechend – „modernisiert“ wurden: Der Steg wurde erhöht, um den Saitendruck und somit die Lautstärke zu erhöhen. Dadurch veränderte sich der Winkel zwischen Saiten und Griffbrett, so dass der Spieler in hohen Lagen einen tieferen Saitendruck hätte ausführen müssen. Die Ebenen zwischen Saiten und Griffbrett wurden wieder in eine parallele Lage gebracht, indem der Hals zurückgelehnt wurde. Gleichzeitig wurden Hals und Griffbrett verlängert. Um den verstärkten Saitendruck auf die Decke abzufangen, wurden auch der Bassbalken und der Stimmstock verstärkt.

Auch die Saiten wurden verstärkt, damit sie die größeren Spannungen aushielten: Die G-Saite, deren Kern aus Darm war, wurde schon längere Zeit mit Metall umsponnen. Heute wird die G-Saite häufig mit Siberdraht umwoben. Ob die D- und die A-Saiten im 19. Jahrhundert umsponnen waren, ist nicht ganz klar, heute sind es meist mit Aluminium umsponnene Darmsaiten. Die E-Saite war im 19. Jahrhundert aus Darm und wurde erst im 20. Jahrhundert durch Stahl ersetzt. Gegenwärtig sind auch Saiten aus Nylon oder Stahl in Verwendung.

Innerhalb einiger Jahrzehnte wurde in Paris unter maßgeblicher Beteiligung des französischen Bogenmachers François Tourte (1747–1835) der moderne Bogen entwickelt: Der Bogen wurde länger, kräftiger, das Gewicht verändert, der Schwerpunkt verlagert und die Spannung erhöht. Dadurch wurden kräftigere Bogenstriche möglich, z.B. martelé (gehämmert, kurze kräftige Bogenstriche).

Um 1820 erfand der deutsche Komponist und Geigenvirtuose Louis Spohr (1784–1859) den Kinnhalter, wodurch sich die Gleitfähigkeit der linken Hand erhöhte.