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Wagnertuba - Geschichte

Richard Wagners Vision eines neuen Klanges

Die Wagnertuben tragen den Namen des Komponisten Richard Wagner, da sie auf seine Anregung hin gebaut wurden und zum ersten Mal in einem seiner Werke erklangen. Richard Wagner hatte 1851/52 mit der Komposition seiner Oper „Das Rheingold“, der ersten seiner Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“ (UA 1869–1876), bereits begonnen, als er nach einem neuen Klang suchte, für den es noch kein Instrument gab. Dabei schwebte ihm die Idee vor, eine Klangeinheit zwischen den Hörnern (Mittellage) und den tiefen Bläsern in Basslage, den Bass- und Kontrabasstuben, herzustellen. Dass ein solches Instrument andererseits auch eine klangliche Brücke zu den Posaunen schlagen sollte, war ein willkommenes Nebenprodukt.

Gleichzeitig hatte Wagner auch ein heroisches, feierliches und würdevolles Instrument im Sinn, das einen Gegensatz zum lyrischen Horn bilden sollte. Bereits vorhandene Instrumente halfen Wagner schließlich bei der Verwirklichung seiner Idee.

Cornon

Im Jahre 1844 hatte der aus Königgrätz stammende Vaclav František Czerveny (1819–1896) ein tubaähnliches Instrument mit Hornmundstück namens Cornon in den Handel gebracht. Dieses Cornon war in österreichischen, deutschen und schweizerischen Militärkapellen sehr verbreitet, wo es oft das Horn zu ersetzen hatte. Viele Belege weisen darauf hin, dass Wagner dieses Instrument und dessen Klang kannte.

Saxhörner in Frankreich

Im Oktober 1853 hielt sich Wagner in Paris auf und traf den berühmten Instrumentenbauer Adolphe Sax (1814–1894), der seit 1845 das Patent auf die von ihm konstruierten Bügelhörner namens Saxhörner besaß. 1846 erwarb er das Patent für die Saxophone. Die Saxhörner waren eine Familie aus Bügelhörnern, die in neun verschiedenen Stimmungen gebaut wurden und vom Sopran bis zur Kontrabasslage das gesamte Spektrum ausfüllten. Klangeinheit war das Motiv für diese Entwicklung. Die Saxhörner zeichneten sich durch Präzision, Reinheit und Leichtigkeit in der Ansprache aus, darüber hinaus besaßen sie aufgrund ihrer engen Mensur einen schlanken Ton. Alle französischen Blasinstrumente haben tendenziell eine engere Mensur als die deutschen. Der größte Vorteil der Saxhörner bestand aber darin, dass sie aufgrund ihrer Applikatur und ihres Klanges eine einheitliche Gruppe darstellten. Diesem Umstand hatten  sie auch ihren Erfolg und ihre weite Verbreitung zu verdanken.

Von jedem etwas

Vom Cornon wurde nun das Prinzip des Hornmundstückes übernommen, jedoch nicht seine weite Mensur. Von den Saxhörnern wurde die enge Mensur übernommen, nicht aber das tiefe becherförmige Kesselmundstück. Daraus ergab sich die neue „Tuba“ (später Wagnertuba genannt), die die gewünschte Kombination aus Horn-, Tuba- und Posaunenklang hervorbringen konnte. Es wurde auch schon von „Veredelung“ des Tubaklanges gesprochen. Vom Horn unterschied die Wagnertuba die etwas weitere und konischere Mensur, von der Basstuba die bedeutend engere Mensur.

Gegenwart

Richard Wagner besetzte die Wagnertuben jeweils doppelt: d.h. 2 Tenortuben in B (in „Siegfried“ in Es) und 2 Basstuben in F. Ihre Verwendung blieb nicht auf Wagner beschränkt. In den Partituren nach Wagner wurden die neuen Instrumente in verschiedener Weise bezeichnet und besetzt: als „Tenortuben in B“ und „Basstuben in F“ (von Anton Bruckner: 7. Symphonie) oder als „Tenortuba in B“ und „Tenortuba in F“ (von Richard Strauss, Gustav Holst und Maurice Ravel).

Im „Don Quixote“ wird die Wagnertuba (als Tenortuba in B) einzeln eingesetzt, als Oberoktave zur Basstuba oder in Kombination mit den Hörnern und den Fagotten. Auch Gustav Holst und Maurice Ravel verwenden sie einzeln.

Wagnertuben wurden durch die Gebrüder Alexander (Mainz) oder die Firma Mahillon (Brüssel) hergestellt. Heute werden Doppelinstrumente verwendet: die Tenor-Wagnertuba in (hoch) B/F und die Bass-Wagnertuba in F/(tief)B. In der Filmmusik wurden Wagnertuben häufig dann eingesetzt, wenn ein besonders heroischer Hornklang gefragt war. Dies ist auch heute noch so. Insgesamt liegt der Klang der Wagnertuben zwischen dem Klang des Horns, der Basstuba und der Posaune. KomponistInnen können damit rechnen, dass in modernen Opern- und Symphonieorchestern Wagnertuben (und Hornisten, die darauf spielen können) vorhanden sind.