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Xylophon
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Xylophon - Geschichte – Das Universum der Holzstabspiele

Asien

Geschichte

Der Ursprung des Xylophons liegt im Dunkel der Geschichte und ist schwer nachzuzeichnen. Forscher neigen dazu, den Schauplatz der ersten Xylophone in Ostasien zu orten, von wo aus sich die Instrumente zuerst nach Afrika ausgebreitet haben sollen. Erste Zeugnisse finden sich in Südostasien und stammen aus dem 9. Jahrhundert. Um 2000 v. Chr. soll es in China eine Art Holzharmonika [wood-harmonicon] mit 16 aufgehängten Holzstäben gegeben haben. Ebenso soll im Bereich der Hindu-Religion ein Xylophon-ähnliches Instrument namens ranat existiert haben. Die weite Verbreitung von Xylophonen in Südostasien wird durch zahlreiche Tempelreliefs dokumentiert, die xylophonspielende Menschen abbilden.

Gegenwart

Noch heute sind die verschiedenen Arten von Xylophonen, deren Klangstäbe aus Hartholz oder Bambusröhren bestehen, von größter Bedeutung in den verschiedenen Gamelan-Orchestern. Bis zu drei gambang (Trogxylophone mit Klangstäben aus Bambus oder Hartholz) sind in einem Gamela n-Orchester vorhanden. Asiatische Xylophone sind meist – technisch gesehen – Trogxylophone, d.h. ein einziger Hohlkörper dient als Resonator für alle Klangstäbe. Die 14 bis 20 oder mehr Klangstäbe liegen auf Stoffbahnen, die auf den Rändern des Holzkastens befestigt sind. Sie werden von Metallstiften fixiert. Gestimmt werden die Klangstäbe in fünf- oder siebentönigen Skalen. Xylophone werden sowohl bei Hofe zusammen mit anderen Xylophonen als auch solistisch bei verschiedenen Fruchtbarkeitsritualen und bei Festen zur Unterhaltung gespielt.

Trogxylophon („Gambang“)

Trogxylophon („Gambang“)

Afrika

Geschichte

Es ist nicht bekannt, wann die ersten Xylophone nach Afrika kamen, es war aber sicher lange vor dem 14. Jahrhundert. Historische Quellen erwähnen Mitte des 14. Jahrhunderts Xylophone im heutigen Mali (am Niger). Im 16. Jahrhundert berichteten portugiesische Missionare aus Äthiopien von hoch entwickelten Xylophonen mit Kürbis-Kalebassen als Resonanzkörper und Mirliton für schnarrende Resonanzgeräusche. Auch der portugiesische Missionar Dos Santos berichtete aus der Gegend von Mozambique von einem Xylophon namens ambira, welches die erwähnten Eigenheiten aufwies.

Gegenwart

Xylophone sind in Afrika weit verbreitet, aber nicht überall anzutreffen. Verstärkt sind sie an der Westküste und an der Ostküste (Angola, Mozambique) zu finden. Xylophone gelten als afrikanische Instrumente schlechthin, wohl deshalb, weil auf ihnen das afrikanische Rhythmusempfinden auf ideale Weise zum Ausdruck gebracht weden kann.

Die Vielfalt an verschiedenen Formen und Typen unterstreicht die Bedeutung, die Xylophone seit jeher auf diesem Kontinent gespielt haben. Man unterscheidet zwei Hauptarten: Xylophone mit freien Klangstäben – die Klangstäbe sind unabhängig voneinander aufgereiht; und Xylophone mit festen Klangstäben – die Klangstäbe sind fest aneinander gebunden.

Einfachste Formen sind Schenkel- und Erdgrubenxylophone. Schenkelxylophone bestehen aus mehreren Klangstäben, die quer über die Schenkel gelegt und angeschlagen werden. Der Raum unter den Schenkeln dient als Resonanzraum. Bei Erdgrubenxylophonen werden Klangstäbe auf zusammengerollten Bananenblättern über eine Erdgrube gelegt, wobei die Erdgrube als Resonanzraum fungiert.

Von großer Bedeutung sind auch die Holmxylophone, bei denen die Klangstäbe auf zwei Balken liegen. Die Klangstäbe, zwischen 12 und 22 cm lang, werden in der Regel von langen Holzstiften in Position gehalten, weil sie sich sonst beim Spielen verschieben würden. In Uganda sind solche Instrumente unter dem Namen amadinda verbreitet. Größere Instrumente, die am Königshof gespielt wurden, nannte man auch akadinda.

Kalebassenxylophon

Kalebassenxylophon

Komplexere Formen sind die sogenannten kalebassenresonierten Xylophone, wo jeder Klangstab einen eigenen Resonator hat. Meistens werden ausgehöhlte getrocknete Kürbisse als Resonatoren verwendet. Die Auswahl geeigneter Kürbisse geschieht mit sehr viel Sorgfalt, da deren Tonhöhe mit jener des Klangstabes genau übereinstimmen muss. Musiker legen auf der Suche oft weite Strecken zurück. Manchmal werden auch Bambusröhren, Kanister oder Metallhülsen als Resonatoren verwendet. Eine besondere Art der Klangverstärkung ist bei diesen Xylophonen zu beobachten, nämlich die Mirlitone. In jede Kalebasse wird ein Loch gebohrt, das mit einer Membran (vom Nest einer Spinne oder aus Papier) zugeklebt wird. Die Mirlitone schwingen mit, wenn auf den entsprechenden Klangstäben gespielt wird und geben ein schnarrendes Geräusch.

Auch bei der europäischen spätmittelalterlichen Rahmenharfe wurden schnarrende Klänge erzeugt, indem die Saiten beim Spielen an die dafür vorgesehenen Haken anschlugen.

Als Volksinstrument in Europa

Vermutlich ist das Xylophon durch die Kreuzzüge nach Europa gekommen. Der deutsche Organist Arnold Schlick erwähnt es 1511 in seinem Werk „Spiegel der Orgelmacher und Organisten“ als „hültze glechter“ (= hölzernes Gelächter). Unter diesem Namen war das Instrument auch im deutschsprachigen Raum bekannt. In Folge wird das Xylophon von vielen wichtigen Theoretikern der Zeit erwähnt, unter anderem von Martin Agricola und Michael Prätorius in seinem „Theatrum instrumentorum“. Auch der Name „Strohfidel“ war weit verbreitet, weil die Klangstäbe auf Stränge aus Stroh gelegt wurden. Im Mittelalter waren Xylophone sehr einfache Instrumente, die keinerlei Art von Resonatoren aufwiesen. Strohfideln waren als Virtuoseninstrumente im Zirkus beliebt und wurden auch von wandernden Musikern gespielt. In diesem Kontext erhielt sich das Xylophon bis ins 19. Jahrhundert.

Im bekannten „Totentanz“ von Hans Holbein dem Jüngeren aus dem Jahre 1523 ist das Xylophon als Instrument mit Todessymbolik zu sehen. Auf dem Gemälde spielt ein Totenskelett während eines Umzuges auf einem tragbaren Xylophon. Der Xylophonklang symbolisiert somit das Klappern der Knochen. Dies ist die erste bekannte Darstellung eines Xylophons auf europäischem Boden.


Hans Holbein der Jüngere, Totentanz – Das alte Weib

Hans Holbein: Totentanz, 1523

Beim älteren Xylophon – auch beim alpenländischen – waren die Stäbe in vier Reihen angeordnet. Dabei entsprachen die beiden mittleren Reihen etwa den weißen Klaviertasten, die beiden äußeren den schwarzen. Die Klangstäbe lagen nicht längs wie beim modernen Orchesterxylophon oder bei afrikanischen oder asiatischen Xylophonen, sondern quer vor dem Spieler, der längste Klangstab dem Spieler am nächsten, der kürzeste am weitesten entfernt. Resonatoren waren nicht vorhanden, die Stäbe wurden wie beim Hackbrett mit Klöppeln angeschlagen. Der Vorteil dieser Anordnung bestand darin, dass auf diese Weise gewisse oft verwendete Tonfolgen wie Akkordbrechungen in rasendem Tempo gespielt werden konnten. Reisende Virtuosen auf diesem Instrument haben auch Komponisten wie Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) und Frédéric Chopin (1810–1849) beeindruckt.

Die Entdeckung als Orchesterinstrument

Erst im 19. Jahrhundert wurde das Xylophon für das Orchester entdeckt. Der Pole Michael Josef Guzikov war einer der bekanntesten reisenden Virtuosen. 1803 legte vermutlich Ignaz Schweigl, 1810 Ferdinand Kauer („Sei Variazioni“) die ersten Kompositionen für Xylophon vor. Der französische Komponist Camille Saint- Saëns war einer der ersten, der in seinen programmatischen Orchesterwerken „La Danse macabre“ (1875) und „Le Carneval des Animaux“ (1886) das Xylophon eingesetzt hat. Es handelte sich dabei immer noch um das vierreihige Xylophon.

1886 veröffentlichte Albert Roth eine Xylophonschule, in der neben der vierreihigen auch eine zweireihige chromatische Anordnung der Klangstäbe nach dem Vorbild des Klaviers vorgestellt wurde. In der Folge wurden die modernen Orchesterxylophone mit zweireihiger chromatischer Anordnung der Klangstäbe und Resonatoren entwickelt. Der Amerikaner John Calhoun Deagan war ab 1903 einer der ersten großen Produzenten des modernen Orchesterxylophons, das schon bald weltweit zum Standardinstrument in Theater- und Symphonieorchestern sowie in Tanzmusikensembles wurde. Zur Ausbreitung mag auch beigetragen haben, dass sich der Xylophonklang auf frühen Plattenaufnahmen besonders gut ausnahm. Die Parts, die KomponistInnen dem Xylophon und der wachsenden Schlagzeuggruppe im 20. Jahrhundert anvertrauten, wurden immer größer und bedeutender. Komponisten wie Béla Bartók, Igor Strawinsky, Edgard Varèse, Olivier Messiaen , Pierre Boulez, Karheinz Stockhauen sind nur einige, die das Schlagzeug zum Hauptträger des musikalischen Klanges gemacht haben. Das Jahrhundert des Schlagzeugs brach an.