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  • Scherzo Brillante (Horn)
  • Vienna Horn Variations
  • Adagio and Toccata
  • Blue Danube Waltz - Horn solo
  • Horn meets Brass & Percussion

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Horn in F - Geschichte 2 – Klassik bis Moderne

Klassik – Stopftechnik macht das Natur-Waldhorn chromatisch

Die Struktur und den klanglichen Charakter des heutigen Waldhorns bekam das Waldhorn ab 1753 durch die Weiterentwicklung des Böhmer Hornisten Anton Joseph Hampel (1710–1771), der insbesondere die Stopftechnik zur Chromatisierung einführte.

Anton J. Hampel machte die Entdeckung, dass man die einzelnen Töne der Naturtonskala durch Einführen der Hand in den Schalltrichter vertiefen und so die in der Naturtonskala fehlenden Zwischentöne ergänzen konnte – dadurch erhielten die Horntöne eine gewisse Chromatik (die klanglich und technisch natürlich noch nicht vergleichbar mit dem heutigen Ventilhorn ist). Für diese Spieltechnik wurde der Schalltrichter nicht mehr wie bisher auf die Seite oder nach oben gehalten, sondern nach unten gerichtet und die rechte Hand in den Trichter eingeführt. Damit ergab sich auch eine deutliche Klangverbesserung, da das Stopfen dem Hornklang die bisherige Schärfe und Ungeschliffenheit nahm.

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Inventionshorn, William Shaw, Red Lyon St Holborn, London, zwischen 1783 und 1802 (Musikinstrumentenmuseum Schloss Kremsegg, Austria, Sammlung Streitwieser)

Zusätzlich wurde der Klang durch das Verwenden eines Trichter- anstatt des Kesselmundstückes verändert, sodass das Horn den weichen und romantischen Wohlklang erhielt, der das Charakteristikum des heutigen Ventilhorns ist. Dieser Hornklang stand  in krassem Gegensatz zum strengen Metallklang der Trompete. Hampel veranlasste auch um 1753/54 den Bau des ersten Inventionshorns: Die Krummbögen (Inventionsbögen, Stimmbögen) waren bei diesem Horn in der Mitte des Rohres angesetzt. Sie waren dadurch schneller austauschbar, was sich in Konzerten vorteilhaft auswirkte.

Das neue Waldhorn stellte in klanglicher Hinsicht ein völlig neues Orchesterinstrument dar und verdrängte in der Folge sogar ganz erheblich die Trompete. Die Hampel’sche Stopftechnik füllte die Lücken zwischen den Naturtönen aus und gab dem Waldhorn damit eine gewisse Chromatik, jedoch waren die Stopftöne bei weitem nicht vollwertig: sie klangen teilweise sehr dumpf und eigneten sich nur als schnelle Übergangstöne, nicht aber für eine tragende Melodie. Um die Problematik der Stopftöne zu umgehen, schrieben die klassischen Komponisten entweder in einem Werk mehrere Simmungen vor (wie z.B. Mozart, der in seiner Oper „Don Giovanni“ (1787) 36 Mal einen Wechsel der Hornstimmung vorschreibt), oder sie vermieden gestopfte Töne ganz. Im spätklassischen Orchester-Repertoire findet man selten eine Note, die durch Stopfen erzeugt werden musste – eine Ausnahme stellt das Hornsolo in Beethovens 9. Symphonie dar.

Romantik – die Aera des Ventilhorns beginnt

Der letzte wesentliche Schritt in der Entwicklung des Horns zu seiner heutigen Form war die Erfindung der Ventile. 1814 stellte der Berliner Heinrich Stölzel ein Ventilhorn vor, 1818 erhielt er zusammen mit  Friedrich Blühmel das Patent für ein Pumpventil. Seit  dieser Zeit wurde das Ventilhorn ständig technisch und klanglich verbessert, da die ersten Ventilhörner eine wesentlich schlechtere Klangqualität besaßen als die Natur-Waldhörner. Das Ventilhorn stieß aus diesem Grund anfangs – wie später auch die Ventiltrompete – auf Ablehnung oder wurde im Orchester nur in Kombination mit dem Naturhorn eingesetzt. Carl Maria von Weber (1786–1826), Richard Wagner (1813–1883) in seinen frühen Werken und noch Johannes Brahms (1833–1897) bevorzugten den Klang der Naturhörner. Einer der ersten Komponisten, die für das Ventilhorn schrieben, ist Robert Schumann (1810–1856), der 1849 sowohl sein „Adagio und Allegro für Horn in F und Klavier“ als auch sein „Konzertstück für 4 Hörner und Orchester“ für das Ventilhorn verfasste.

Für das Ventilhorn ist heute noch die grundsätzliche Struktur des dreiventiligen Horns gültig, die 1830 entstand. Erst durch  den Einsatz der Ventile wurde die Tonreihe des Horns vollständig chromatisch.

Ende des 19. Jahrhunderts baute der deutsche Instrumentenbauer Fritz Kruspe das erste Doppelhorn in F/B. Versehen mit Drehventilen, die sich ab der Mitte des 20. Jahrhunderts  gegenüber den Pumpventilen durchsetzten, ist das Doppelhorn in F/B heute das gebräuchlichste Orchesterhorn. Daneben werden hauptsächlich Hörner in F, in b-alto sowie das Tripelhorn in F/B/f alto verwendet.

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Zarenhorn, Joseph Schediva, Odessa, ca.1884. Das speziell gebaute, vergoldete Horn mit Gravur (Blumenornamente, russischer Doppeladler und hl. Georg) wurde für Zar Alexander III. gefertigt (Musikinstrumentenmuseum Schloss Kremsegg, Austria, Sammlung Streitwieser)