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Marimbaphon
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Marimbaphon - Geschichte

Namensgebung

Der Name Marimba stammt – wie das Instrument selber auch – ursprünglich aus dem schwarzafrikanischen Raum: rimba (= Xylophon mit einem einzigen Klangstab), ma (= eine Menge Gegenstände) sind Wörter aus der Bantu-Sprache (Malawi, Mozambique). Ma-rimba bezieht sich in vielen afrikanischen Sprachen also auf Instrumente mit mehreren Klangstäben. Im weiteren Sinn bezeichnet der Name auch eine andere Art von Instrumenten, die für Afrika typisch sind, die Lamellophone (= Instrumente mit Metallzinken, die außen an einem Resonanzkasten befestigt sind und mit den Fingern angezupft werden). Der Name Marimba ist mit den Instrumenten von Afrika über Lateinamerika nach Europa gewandert. Der im Deutschen bis heute übliche Name Marimbaphon ist zusammengesetzt aus Marimba und phoné (griechisch für Klang).

Im technischen Sinn könnte die Marimba auch als tiefes Xylophon bezeichnet werden, was nichts anderes als Holzklinger bedeutet. Im kulturellen Sinn unterscheidet sie sich jedoch stark vom Xylophon: die Marimba ist ein Instrument mit Ursprung in Zentralafrika, hat aber in einer eigenen Entwicklungslinie Identität und Bedeutung gewonnen, wie im Folgenden gezeigt werden soll.

Ursprünge in Afrika

Xylophone sind nicht überall in Afrika anzutreffen. Das Verbreitungsgebiet verschiedener Typen erstreckt sich vom zentralafrikanischen Raum bis nach Südafrika. Verstärkt sind sie an der Westküste und an der Ostküste (Angola, Mozambique) zu finden. Der erste Hinweis auf historische Xylophone in Afrika bezieht sich auf das Gebiet des heutigen Mali um die Zeit des 13. Jahrhunderts.

Besonders im zentralafrikanischen Raum (Tansania, Kongo) sollen jene Xylophone mit Resonanzkörpern aus Kalebassen beheimatet sein, die zum Vorbild der lateinamerikanischen Marimbas wurden und dem Instrument den Namen gaben. Kalebassen werden in Afrika bis heute aus getrockneten Fruchtschalen des Kalebassenbaumes hergestellt, sie haben etwa die Größe eines Kürbisses. Geeignete Kalebassenfrüchte sind schwer zu finden und stellen einen großen Wert dar. Die Tonhöhe der Kalebasse muss mit jener des Klangstabes präzise übereinstimmen. Eine besondere Art der Klangverstärkung sind bei diesen Xylophonen die Mirlitone. In jede Kalebasse wird ein Loch gebohrt, das mit einer Membran (vom Nest einer Spinne oder aus Papier) zugeklebt wird. Die Mirlitone schwingen mit [this membrane vibrates sympthetically], wenn auf den entsprechenden Klangstäben gespielt wird und geben ein schnarrendes [buzzing] Geräusch, das einen klangverstärkenden Effekt hat.

Eigene Entwicklung in Lateinamerika

Afrikaner, die im 16. und 17. Jahrhundert nach Mittel- und Südamerika deportiert wurden, haben dort begonnen, die Instrumente ihrer Heimat nachzubauen. Vor allem in Mexiko, Guatemala und Brasilien wurden die Marimba genannten Xylophone weiterentwickelt: die Kalebassen wurden von genau abgestimmten Resonanzkörpern aus Holz ersetzt. Die Anbringung von Mirlitons  an den Resonanzkörpern wurde beibehalten, was den besonderen Charakter dieser mittelamerikanischen Marimbas ausmachte.

In Lateinamerika benennt der Name Marimba alle großen Xylophone mit Kalebassen als Resonanzkörper, die ursprünglich aus Afrika eingeführt wurden.

Chiapas

In Mexico ist die Marimba bis heute ein weit verbreitetes Volksinstrument, das in verschiedensten Ausführungen gebaut wird. Chromatische Instrumente mit 6 ½ Oktaven Umfang (C–f5) und sagenhaften 79 Klangstäben sind die größten, die es gibt. Sie finden sich in Chiapas (Mexico), Guatemala und Costa Rica und werden Marimba Grande genannt. Die Chiapas-Marimba ist tischförmig. Es gibt zwei Formen: die marimba sencilla als diatonisches und die marimba doble als das chromatische Instrument. In der Regel wird ein großes Instrument von mehreren Marimbaspieleren [marimbist] gespielt, wobei sich jeder Spieler auf einen engen Skalenausschnitt begrenzt und streng innerhalb seines Registers bleibt. Daneben sind auch Instrumente mit 3 und 4 Oktaven Umfang in Gebrauch. Oft sind die Resonatoren aus Bambus gefertigt. Eine bemerkenswerte Tradition bilden Ensembles von mehreren Marimbas, eine Tradition, die vor allem in Mexico City und in Chiapas bis heute lebendig ist: Mehrere Spieler spielen auf einem oder mehreren Marimbas. In Europa, Japan und den USA werden Marimbas fast nur von Solospielern gespielt.

Für das Symphonieorchester adaptiert

Schließlich ist der Name Marimba auf das von den lateinamerikanischen Instrumenten inspirierte Konzert- und Orchester-Marimbaphon übergegangen. Im Jahre 1910 begannen die nordamerikanischen Firmen Deagan und Leedy lateinamerikanische Marimbas nachzubauen und für den Gebrauch in europäischen und amerikanischen Symphonieorchestern zu adaptieren. Anstelle der hölzernen Resonatoren traten abgestimmte Metallröhren, die tiefsten U-förmig gebogen. Die Stimmung der Resonanzröhren erfolgte durch drehbare Metallscheiben am unteren Rohrende, die Mirlitons wurden weggelassen. Ihren ersten Einsatz erlebten die neuen Marimbas als Begleitinstrumente in sogenannten Vaudevilles und Komödienaufführungen.

Hatte die Marimba in der Tanz- und Unterhaltungsmusik ständige Aufgaben zu erfüllen, ließen bedeutende Parts für dieses Instrument im Orchester vorerst auf sich warten. Erst der französische Komponist Darius Milhaud verschaffte der Marimba in seinem 1947 komponierten „Konzert für Marimba und Vibraphon“ eine gewaltige Resonanz. Der Einsatz von vier Schlägeln als neue Spieltechnik erlaubte akkordisches Spiel und machte entsprechend Eindruck. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wuchsen die Aufgaben der Marimba in Ensembles und im großen Orchester. Komponisten wie Leoš Janáček („Jenufa“), Carl Orff („Antigonae“), Karl Amadeus Hartmann in seinen Symphonien, Hans Werner Henze („Elegie“) oder Pierre Boulez („Le marteau sans maître“) gaben der Marimba neuartige Aufgaben anspruchsvollster Natur. Gleichzeitig ist das solistische Repertoire gewachsen.