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Vom Traum zur Wirklichkeit

Firmengründer Herbert „Herb“ Tucmandl, ehemals Cellist und Substitut bei den Wiener Philharmonikern, avancierte Mitte der 90er-Jahre vom Kameramann zum erfolgreichen Regisseur und produzierte mit Hilfe von Computern und Sample Libraries orchestrale Filmmusiken für seine vielfach ausgezeichneten Projekte. Die damals verfügbaren Mittel wurden den Klangvorstellungen des ausgebildeten Orchestermusikers jedoch nicht gerecht und irgendwann konnte er die ewig gleich klingenden, sterilen Sounds aus dem Computer nicht mehr hören. „Komponieren mit Sample Libraries ist 1 % Kreativität und 99 % Schadensbegrenzung“, pflegte er zu stöhnen. Aus der Not und Frustration heraus entwickelte er in hunderten durchwachten Nächten das Konzept einer neuen, wirklich authentisch klingenden Orchester Sample Library.

Seine Idee bestach dabei vor allem durch den Ansatz, nicht ausschließlich Einzelnoten, sondern auch Tonverbindungen aufzunehmen, die durch ihre Kombination erstmals lebendige Interpretationen ermöglichen sollten. Zudem war auch die Aufnahme einer Vielzahl von Spielweisen wie Legato, Pizzicato, Tonwiederholungen und Läufe in verschiedenen Tempi, Triller, Arpeggien, Flageolett oder Flatterzunge vorgesehen. Während die größten Libraries zur damaligen Zeit das gesamte Orchester mit rund 6000 Samples abdeckten, entwickelte Herb Tucmandl eine Struktur für über eine Million Einzeltöne und Phrasen.

Die Anfänge

Schnell wurde klar, dass dieses Vorhaben die Anforderungen an Rechenleistung und Speicherplatz der damals erhältlichen Computer um ein Vielfaches übersteigen würde. Ungeachtet der Tatsache, dass solche Systeme zum damaligen Zeitpunkt noch gar nicht verfügbar waren, setzte sich Herb Tucmandl selbst an sein Cello und spielte im Studio einige tausend Samples ein. Mit der anschließenden Demo-Produktion konnte er schließlich Musik- und Sampling-Experten gleichermaßen überzeugen.

Es mag verwunderlich anmuten, dass die nächste Schwierigkeit darin bestand, geeignete Orchestermusiker in Wien – immerhin einer der bedeutendsten Musikmetropolen der Welt – zu finden, denn die physischen und psychischen Anforderungen bei einem solchen Projekt unterscheiden sich maßgeblich von der routinierten Konzert- oder Tourneetätigkeit. Monatelang in einem Aufnahmestudio zu sitzen und dabei ausschließlich Einzeltöne sowie kurze Phrasen in einem konstanten Höchstmaß an Perfektion zu spielen, erfordert neben absoluter Instrumentenbeherrschung auch außerordentliche Konzentration und Durchhaltevermögen.

Nachdem kein Tonstudio für einen längeren Aufnahmezeitraum zur Verfügung stand und zudem keine konstanten akustische Bedingungen gewährleisten konnte, wurde kurzerhand eine eigene Aufnahmehalle mit dem Namen „Silent Stage“ in Ebreichsdorf im Süden Wiens errichtet. Seither wurden dort über 200 MusikerInnen und SängerInnen unter dem Dirigat des strengen, aber geduldigen künstlerischen Leiters Michael Hula aufgenommen. Da eine Aufnahme-Einheit von 3 Stunden ca. 30 Stunden an Nachbearbeitung erfordert, mussten sich gleich dutzende Toningenieure in Edit-Suiten Tag und Nacht durch den Terabyte-großen Dschungel an Klangdaten kämpfen, um am perfekten, authentischen Sound zu feilen.

Die Sample Libraries

Seit der Firmengründung im Oktober 2000 wurden nahezu alle Instrumente des symphonischen Orchesters einzeln und in den jeweiligen Gruppen aufgenommen – in einer einzigartigen Synthese aus Wiener Musiktradition und Spitzentechnologie. Das Sortiment wird laufend erweitert und beinhaltet mittlerweile auch den Vienna Choir, der als großer, gemischter Chor ein Pendant zum symphonischen Orchester darstellt.

Die ersten Produkte kamen im Dezember 2002 auf den Markt. Die „FIRST EDITION“ beinhaltete die Module „Strings“, „Brass & Woodwinds“, „Percussion“ sowie das „Performance Set“. Im Sommer 2003 wurde die „PRO EDITION“ veröffentlicht und damit die Anzahl an Samples verdoppelt (390.000 Samples, 240 GB). Beide Editionen waren vorkonfiguriert in den Formaten für GigaStudio von Tascam sowie EXS24 von Apple Logic (vormals Emagic) erhältlich. Ende 2003 folgten kleinere Pakete der „HORIZON SERIES“, die auch für die Sampler HALion von Steinberg sowie Kontakt von Native Instruments erhältlich waren. Alle Produkte enthielten neben Einzeltönen sogenannte „Performance Elements“, die durch das „Performance Tool“, der ersten eigenen Software-Entwicklung aus eigenem Haus, das Spielen von Tonwiederholungen und Legato in Echtzeit ermöglichte und damit die Grenzen der bis dato bekannten Sample Libraries weit hinter sich ließen.

Virtuelle Instrumente und Software-Entwicklungen

Der Ruf nach einer besseren Integration der immer umfangreicher werdenden Sample-Datenbank mit einer Software, die Realismus und gleichzeitig Bedienerfreundlichkeit in erhöhtem Maße bieten sollte, führte zur Entwicklung des Vienna Instruments Players.

Die VIENNA INSTRUMENTS zählen seit ihrer Einführung Ende 2005 zu den mächtigsten virtuellen Instrumente am Markt und bieten intelligente Performance-Algorithmen unter dem User Interface von einfach zu bedienenden VST/AU/AAX-Plug-ins. Sie verwalten eine schier unglaubliche Menge an Samples und ermöglichen Musikschaffenden, nahezu jede klangliche Nuance eines Instruments oder Ensembles auf authentische Weise zu reproduzieren.

Im Herbst 2008 lieferte das Software-Team mit VIENNA SUITE eine Sammlung von Effekt-Plug-ins, die erstmals sowohl auf 32-Bit- als auch auf 64-Bit-PCs und Macs eingesetzt werden konnte. Die elf Werkzeuge zur Audiobearbeitung beinhalten u.a. Equalizer, Compressor, Limiter sowie Convolution Reverb und punkten mit erstklassigem Klang, einfacher Bedienung sowie einer Vielzahl an mitgelieferten Presets, die eigens für die Vienna Instruments erstellt wurden.

Die Mixing- und Host-Software VIENNA ENSEMBLE PRO war 2009 die erste Netzwerk-Lösung, die PCs und Macs durch ein einfaches Ethernet-Kabel miteinander verbinden konnte. MIDI- und Audio-Daten können ohne zusätzliche Audio-Hardware synchron und ohne Zeitverzögerungen zwischen Host- und Slave-Rechnern verschiedener 32- und 64-bit-Betriebssysteme transferiert werden – eine effektive Software-Lösung, die in der Branche für Furore sorgte.

Im Jahr 2009 wurde nach mehreren Jahren der Forschung und Entwicklung die Software VIENNA MIR vorgestellt, die den Klang von Konzertsälen authentisch und in Echtzeit erstmals auf einem einzigen Computer reproduzieren konnte. Die Idee dahinter war einfach: Genauso wie es möglich ist, Instrumente in all ihren Facetten zu „samplen“, können auch die akustischen Eigenschaften eines Raumes digitalisiert werden. Hierfür wird die „Antwort“ eines beliebigen Raumes auf einen genau definierten akustischen Impuls aufgenommen und anschließend in einem mathematischen Prozess („Faltung“; engl.: „Convolution“) einem anderen, trockenen Signal aufgeprägt. Das hörbare Ergebnis ist dasselbe, als wäre das neue Signal tatsächlich in diesem Raum aufgezeichnet worden. Die äußerst komplexen Rechenvorgänge werden von der Software übernommen und laufen stets im Hintergrund. Der Anwender kann Instrumente und Signalquellen frei auf der Bühne des ausgewählten Raums (z. B. Wiener Konzerthaus, Teldex Studio Berlin, The Sage Gateshead, um nur einige zu nennen) an der gewünschten Position platzieren und das Ergebnis klingt so, als ob das Instrument tatsächlich an dieser Position gespielt würde.